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Wintersport: Tscheche kauft Skiberge in Rumänien

Ausländische Extremsportler und Skitourengeher sind Zielgruppe eines neuen Skigebiets in den Karpaten.

PRAG/WIEN. Das tschechische Unternehmen Snowhill, die Nummer eins im tschechischen Wintertourismus, zieht es ins Ausland. In Tschechien betreibt Snowhill insgesamt sechs Skigebiete, darunter jenes nahe Liberec (Reichenberg), dem Austragungsort der Ski-WM 2009 („Die Presse“ berichtete). Nun steht die Firma knapp vor dem Erwerb eines Skigebietes in den rumänischen Karpaten, wo sie bereits in der kommenden Wintersaison den Betrieb aufnehmen will. Für das nahe Kronstadt in Siebenbürgen gelegene Projekt sind Investitionen in Höhe von rund 500 Mio. Kronen (18,5 Mio. Euro) vorgesehen.

„Neben Eigenmitteln fließen auch Kredite österreichischer Banken und EU-Fördergelder in die Finanzierung ein“, informierte Snowhill-Geschäftsführer Karel Vacek die Tageszeitung Hospodáské Noviny. Die Entwicklung und den Betrieb übernimmt das eigens hierfür gegründete rumänische Tochterunternehmen Berghill. Das Skiareal soll etwa die Größenordnung von spindlersv Mlýn (Spindlermühle), das im Riesengebirge gelegene größte Skigebiet Tschechiens, erreichen.

Vacek fällt es leicht, die wesentlichsten Vorteile und Chancen des Engagements in Rumänien aufzuzählen: „Hohe Berge, mehr Gestaltungsmöglichkeiten und hohe Schneesicherheit.“ Gerade die schlechte Schneelage in den tschechischen Bergen im letzten warmen Winter führte bei Snowhill zu einem Einnahmenrückgang von rund einem Drittel.

In Rumänien will sich das Unternehmen vor allem auf die heimischen Wintersportfans sowie ausländische Extremsportler und Skitourengeher als Hauptzielgruppen konzentrieren. „Tschechische Wintertouristen bevorzugen in erster Linie die österreichischen und italienischen Alpen“, analysiert Jan Herget von Nev-Dama, dem größten tschechischen Wintersportreiseveranstalter.


Hubschrauber statt Skilift

Insbesondere Freerider sollen in Siebenbürgen künftig auf ihre Rechnung kommen. Für ein Hotel in 2000 Meter Höhe verbunden mit einem Helicopterskiing-Angebot will Snowhill mittelfristig weitere Investitionen in Höhe von rund vier Mio. Euro realisieren. „Es ist eine einmalige Gelegenheit, denn die Nachfrage in diesem Bereich übersteigt das Angebot um etwa das Zehnfache“, so Vacek.

Es ist möglich, dass Snowhill mit seinen Investitionen eine Lawine lostreten wird. Derzeit sind in Rumänien neben überwiegend heimischen Firmen und Privatinvestoren vor allem französische und italienische Unternehmer tätig. Doch das Potenzial zur Entwicklung und Erschließung weiterer Skigebiete und Hotelanlagen ist für Investoren noch immer groß. Dies vor allem deshalb, weil in den Karpaten der den gesamten Balkan erfassenden „Immobilienboom“ bisher ausgeblieben ist. Die größten Defizite der Region liegen aber im Verkehrsinfrastruktur-Bereich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2007)