Für Studienrichtungen wie Publizistik oder Psychologie gibt es für das kommende Studienjahr wieder weit mehr Interessenten als Studienplätze. Wer sich informieren will, braucht bereits vor der Beratung gute Nerven.
Wien. Es ist eine lange Schlange, die sich kurz vor Semesterbeginn tagtäglich auf der Wiener Uni am Audimax-Gang bildet. Auch am frühen Donnerstagnachmittag ist es nicht anders. Die Studenten neben dem Uni-Bankomaten warten aber nicht etwa auf die Inskription oder die Anmeldung für eine Prüfung. Es geht nur einmal darum, sich zu informieren.
Wer hier steht, der sucht Beratung für die Fächer Soziologie, Politikwissenschaft, Publizistik oder Psychologie. Wobei es vor allem die letzten beiden Fächer sind, für die sich die Wartenden interessieren. „Ich mache das seit Jahren – aber das habe ich noch nie erlebt“, sagt Publizistik-Berater Paul Diernberger über den Ansturm. Mehr als 1400 Personen wollen in Wien Publizistik studieren, doch es gibt nur 962 Plätze. Daher findet heuer erstmals ein Auswahlverfahren statt. In der Psychologie kommen auf 600 Plätze 1500 Interessenten. Hier gibt es aber schon seit zwei Jahren eine Auslese.
„Wie ist das mit dem Auswahlverfahren?“, lautet auch die meistgestellte Studentenfrage. Wobei der Informationsgrad stark variiert: „Ich habe noch keinen Plan“, klagt etwa eine junge Frau offen. Andere – vor allem die deutschen Studenten – zeigen sich hingegen relativ gut informiert. Jan Opitz aus München lässt sich auch von der langen Schlange nicht abschrecken. Der Numerus clausus, aber auch private Gründe hätten ihn zum Gang nach Wien veranlasst, erzählt er. Er glaubt, dass es sich für seinen Studienplatz in Psychologie ausgeht. „Ich habe schon angefangen, zu lernen“, betont er. Und falls es schiefgeht, hat er einen Plan B: Dann studiert er Volkskunde.
Auffällig ist: Keiner der Studenten klagt während der Beratung darüber, dass es ein Auswahlverfahren gibt. Das missfällt den Studenten-Beratern: Man müsse die Erstsemestrigen „ein bisschen sensibilisieren“, meint Diernberger. Hinter den Beratern hängen an der Wand Plakate, die das Aus des offenen Hochschulzugangs anprangern.
Optimistisch ins Ausleseverfahren
Die Warteschlange wird im Laufe des Nachmittags noch länger. Ein junges Pärchen vertreibt sich die Zeit mit dem Austausch von Zärtlichkeiten. Andere versuchen, mit Musik aus dem iPod die Langeweile zu überstehen. Das Warten wird aber ohne großes Murren in Kauf genommen. „Es war nichts anderes zu erwarten“, erklärt die angehende Publizistik-Studentin Yalda Walter. Ihr Entschluss zum Studium steht fest: „Ich möchte später etwas im Bereich Medien machen“. Für das Auswahlverfahren ist sie optimistisch, wenngleich sie mit einem Blick auf die Anwärter-Schlange eingesteht: „Es macht schon ein bisschen Angst.“
AUF EINEN BLICK
In Psychologie kommen auf 600 Erstsemestrigen-Plätze rund 1500 Bewerber. In Publizistik lautet das Verhältnis 962:1400. Die Hälfte der Psychologie-Anwärter sind Ausländer (Publizistik: 40 Prozent).
In beiden Studien werden zunächst alle Anwärter zugelassen, im Laufe des ersten Semesters wird dann ausgesiebt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2007)