Bilanz. Autofahrer üben Kritik, Gastronomen haben Umsatz-Einbußen, kleiner Theater Besucherschwund.
WIEN. Seit einem Monat gilt in Wien die neue Parkregelung, die eine drastische Ausweitung der Kurzparkzonen-Zeit am Abend gebracht hat – und die Bilanz fällt – zumindest von Gastronomen und Autofahrer-Seite – kritisch aus. Gleichzeitig sehen zahlreiche Bewohner in den Pickerlbezirken, die fürs Pickerl teuer zahlen, keine Entlastung der angespannten Parkplatzsituation. Viele Autofahrer wiederum sind verwirrt über unterschiedliche Regelungen (in großen Geschäftsstraßen gelten die alten Park-Zeiten, in den Nebenstraße aber die neuen Vorschriften.) Zudem klagen sie, dass man spät am Abend nur schwer Parkscheine nachkaufen kann. Viele behelfen sich daher mit dem Handy-Parken, wo vom Wirtshaustisch aus die Parkzeit verlängert werden kann.
„Die Wirte leiden jedenfalls unter der neuen Regelung“, sagt Hermann Prilisauer, Obmann der Wiener Gastronomen. Viele Gästerunden würden sich früher auflösen, Lokalbesucher früher aufbrechen, um nicht noch einen Parkschein ausfüllen zu müssen. „Die Gemütlichkeit, das gemeinsame Sitzenbleiben, wird dadurch unterbunden“, sagt er.
Sorgenfreie Innenstadt
Umsatzeinbußen gebe es vor allem bei Gastronomen in den Gürtelbezirken, heißt es in der Wirtschaftskammer. In der Innenstadt, wo die Touristen einen wesentlichen Anteil ausmachen, verzeichne man keine größeren Beschwerden. Ebenso wie bei den Kinobetreibern, die vorerst noch keine Veränderung im Besuchsverhalten wahrnehmen.
Interessant fällt die Bilanz bei den Theatern aus. Kleinere Bühnen kämpfen mit einem Besucherrückgang. „Wir merken es ganz extrem, es kommen viel weniger“ erzählt Isabelle Abrocat vom „Internationalen Theater in der Porzellangasse“. Vor allem Menschen vom Stadtrand und außerhalb der Stadt kämen maximal noch am Wochenende ins Theater. Bei großen Bühnen wirkt sich die neue Parkregelung weniger aus, weil diese oft mit Garagenbetreibern Spezialpakete für das Parken am Abend geschnürt haben und diese nun den Besuchern anbieten.
Bei den Garagenbetreibern ist aber kein signifikanter Anstieg der Auslastung seit 1. September merkbar. Es gebe zwar mehr Anfragen nach Dauerparkplätzen, ist etwa bei Apcoa zu hören. Dies könne aber auch mit dem nahenden Winter zu tun haben, heißt es.
Die Stadt Wien zieht naturgemäß eine positive Bilanz des ersten Monats. Es habe zwar zu Beginn einen Engpass bei neuen Parkscheinen gegeben, weil „die Nachfrage uns überrascht hat“, heißt es im Büro von Stadtrat Rudolf Schicker. Das Problem sei aber mittlerweile gelöst.
Jedenfalls sei die Menge der Organmandate in diesem einen Monat nicht gestiegen (rund 4500 pro Tag). Und: Der Personalstand der „Blaukappler“ – rund 200 – werde nicht erhöht, obwohl die „Parksheriffs“ jetzt länger und in mehr Gebieten kontrollieren müssen.
In der MA 67 (Parkraumüberwachung) wird dies mit einer „Optimierung“ der Arbeitszeiten und der Kontrollgänge erklärt. Die Vermutung, dass am Abend jetzt einfach weniger kontrolliert wird, um keine Überstunden anfallen zu lassen, will man bei der MA 67 aber nicht gelten lassen.
AUF EINEN BLICK
In Wien gelten seit 1. September neue Regeln fürs Kurzparken: Außerhalb der großen Geschäftsstraßen wurde die Parkzeit ausgeweitet (9-22 Uhr), die Parkdauer auf zwei Stunden erhöht und die Parkscheine um 50 Prozent verteuert (jetzt 1,20 pro Stunde).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2007)