US-Investor: „Österreich soll seine OMV-Anteile verkaufen“

(c) AP (Bela Szandelszky)
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Öl. Der Chef des US-Fonds Templeton ist für eine vollständige Privatisierung und Fusion der OMV und der ungarischen MOL.

wien(jaz). Ein Zusammenschluss zwischen der OMV und MOL würde den größten Öl- und Gaskonzern Mitteleuropas schaffen, meinte Mark Mobius, Chef der US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton, am Wochenende in Wien. Wie die „Presse“ berichtete, ist Templeton – die Firma ist in beiden Ölkonzernen investiert – der erste Aktionär, der sich offen zur Causa OMV und MOL äußerte. Ein Zusammenschluss der Konzerne sei auch ein guter Zeitpunkt, um den Staatsanteil der Republik Österreich bei der OMV zu überdenken, sagte Mobius.

„Wir würden gerne sehen, dass Österreich seine Anteile verkauft und die OMV komplett privatisiert. Die Kontrolle der Energieversorgung kann die Regierung auch durch regulatorische Maßnahmen wahrnehmen“, sagte Mobius. Von den Ungarn wurde der 31,5 prozentige OMV-Anteil Österreichs zuletzt als Hauptgrund für die Ablehnung eines Zusammenschlusses genannt. Mobius glaubt jedoch nicht, dass dies der alleinige Grund für die negative Haltung der Ungarn ist. Ein weiterer Faktor sei der befürchtete Machtverlust von Budapest.

„Wir sind nicht auf der Seite der OMV. Wir glauben aber, dass ein Zusammenschluss für beide Unternehmen Sinn machen würde“, betonte Mobius. Dies würde nämlich die beiden Konzerne in eine wesentlich bessere Verhandlungsposition mit russischen Energie-Konzernen bringen, die nach Westen streben.

Hinsichtlich der Abwehrstrategie der MOL – das Management hat die Kontrolle über rund 40 Prozent der Aktien erworben – stellen sich für Mobius einige Fragen. „Hätten die dafür aufgewendeten vier Mrd. Euro nicht wesentlich besser verwendet werden können? Beispielsweise um eine schöne Raffinerie zu kaufen oder für eine fette Dividende. Und was passiert in Zukunft mit den Aktien?“ Er plädiert dafür, dass sie eingezogen werden, da dies den Wert der verbleibenden Aktien erhöhen würde.

Auch das von der ungarischen Regierung geplante Gesetz, durch das eine Übernahme der MOL durch die OMV de facto unmöglich gemacht wird, sieht er kritisch. „Die Leute in Brüssel sollten sich das ganz genau ansehen. Wenn dieses Gesetz durchgeht, dann wird eine Büchse der Pandora geöffnet“, warnt Mobius. Die Affäre schmälere das Vertrauen der Investoren in den ungarischen Kapitalmarkt. Es sei deshalb auch kein Wunder, dass das ungarische Wirtschaftswachstum im Vergleich mit den anderen Ländern Mittelosteuropas zuletzt eher schwach ausfiel.

OMV droht Strafe

Mobius kann auch nicht nachvollziehen, warum die ungarische Finanzmarktaufsicht über die OMV eine Strafe von umgerechnet 100.000 Euro verhängt hat. Grund: Die OMV will den MOL-Aktionären die Aktien abkaufen, sobald das MOL-Management die Übernahme nicht mehr blockiert. Diese Erklärung sei eine „irreführende Information“, begründet die ungarische Finanzmarktaufsicht die Strafe. Die OMV ging in Berufung.

„Wir fühlen uns nicht in die Irre geführt“, sagt Mobius. Bei ungarischen Kleinaktionären könne die Sache jedoch anders aussehen, meint Mobius.

AUF EINEN BLICK

Mark Mobius, Chef des US-Investors Templeton, fordert die Privatisierung der OMV und eine Fusion mit der ungarischen MOL. Die Republik Österreich hält 31,5 Prozent an der OMV. [Bruckberger]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2007)

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