Vranitzky: „Eine Million war mir recht"

APA

Bawag-Prozess. Altkanzler Franz Vranitzky bestätigt, für Wolfgang Flöttl Beraterdienste geleistet zu haben. Flöttl sagt, er habe eigentlich gar keine Fragen gehabt – aber Elsner habe verlangt, dass Vranitzky engagiert werde.

WIEN. Franz Vranitzky wird am Donnerstag 70. Wolfgang Flöttl hatte schon gestern, Montag, Geburtstag. Er wurde 52. Beim Bawag-Prozess gab es für die beiden „Geburtstagskinder“ ein Wiedersehen. So nah beieinander saßen sie wohl seit Dezember 1998 nicht mehr. Damals frühstückten die beiden in New York – Resultat: Vranitzky übernahm Flöttls Beratung. Honorar: 1 Mio. Schilling (72.000 €). Nun sitzen sie wieder beisammen: Vranitzky im Zeugenstand – Flöttl auf der Anklagebank.

„Flöttl hat mir eine Honorarsumme von einer Million Schilling angeboten. Mir war das recht.“ Ob das viel oder wenig Geld ist, hängt natürlich von der Gegenleistung ab. Vranitzky ist sich nicht mehr sicher. „Vielleicht 8mal, vielleicht 10mal“ habe er in den ersten Monaten des Jahres 1999 bei Flöttl angerufen. Um zu beraten. Zum Beispiel über das Verhältnis Dollar/Yen/Euro. Ein Gespräch habe „10 bis 15 Minuten“ gedauert.

Flöttl ist sich auch nicht mehr sicher, seine Unsicherheit klingt aber anders: „Ich kann mich an ein oder zwei Telefonate erinnern.“ Richterin Claudia Bandion-Ortner will, dass die Herren auf den Punkt kommen: „Hat es nun eine Gegenleistung gegeben oder nicht?“ Flöttl – ganz Gentleman – drückt zunächst dem „Herrn Bundeskanzler“ seine tiefe „Wertschätzung“ aus.


„Ich wollte nichts wissen“

Jetzt aber raus damit: „Ich wollte nichts wissen.“ Wie bitte? Ja, Vranitzky war als Berater engagiert, nur habe es keine Fragen gegeben. „Wir (Flöttl und seine Mitarbeiter, Anm.) haben ihn nicht gebraucht. Das ist aber nicht seine Schuld. Er hat sich bemüht. Er hat angerufen, aber wir haben kein Interesse gehabt. Da kann er nichts dafür“, sprudelt es aus Flöttl heraus.

Es sei die Idee des damaligen Bawag-Generaldirektors Helmut Elsner gewesen, „den Herrn Doktor Vranitzky zu heuern“. Jedenfalls waren im Herbst 1998 die ersten Spekulationsverluste für die Bawag eingetreten. Der erfolglose Spekulant hieß Flöttl. Nun sagt dieser: „Ich war unter Druck, ich war von Elsner abhängig.“ Richterin: „Hat Elsner gesagt, warum Sie Vranitzky engagieren sollen?“ Flöttl: „Er hat gesagt, Vranitzky ist ein wichtiger Mann, er hat sich aber nicht so genau geäußert.“

Zeuge Vranitzky hört sich all das schweigend an. Bis dann das erwartete Reizwort fällt: Parteienfinanzierung. Schon seit längerem geistert der Verdacht umher, dass die Gewerkschaftsbank Bawag einst der SPÖ finanziell ausgeholfen haben könnte. Beweis gibt es keinen. Vranitzky sagt an dieser Stelle, er lese in den Zeitungen, dass Flöttl eine „Distanzierung von meiner Beratertätigkeit“ vornehme. Und zwar „mit wechselnden Argumentationsversuchen“.

Vranitzky weiter: „Erst wurde von Parteienfinanzierung gesprochen. Dann hieß es: Über den Euro will ich nichts wissen, weil ich in Asien investiere. Dann hieß es, ich hätte überhaupt nicht beraten – und dann hieß es, dass in Wirklichkeit Elsner dahinter steckt.“ Und: „Es ist erstaunlich, dass sieben Jahre vergehen, ehe Flöttl das erste Mal sagt, ich hätte gar nicht beraten.“


„Vranitzky war preiswert“

Flöttl, dem das Ganze nun sichtlich unangenehm ist: „Ich habe nie gesagt, es geht um Parteienfinanzierung.“ Und irgendwie scheint der Angeklagte noch das Bedürfnis zu haben, ein kleines Zusatzlob anzubringen: „Vranitzky war außerdem sehr preiswert.“ Flöttl muss es wissen, hatte er doch auch andere prominente Berater, wie etwa den Ex-US-Außenminister Henry Kissinger.

Apropos Geld: Gibt's einen Überweisungsbeleg? Vranitzky muss passen: „Aber die österreichischen Medien sorgen ja dafür, dass man Belege, die man nicht mehr hat, in der Zeitung lesen kann.“ Die Richterin kennt den Beleg. Das Geld (Flöttl: „Ja, es war mein Geld“) wurde von einem US-Anwalt im Jänner 1999 angewiesen. Richterin: „Sollte etwa der Name Flöttl nicht aufscheinen?“ Darauf weiß niemand eine richtige Antwort. War eben so.

Und was meint Elsner? Hat er Flöttl gedrängt, den Altkanzler anzuheuern? Elsner: „Flöttl bringt eine Lüge nach der anderen. Kompletter Unfug. Ich bin nicht der Manager von Dr. Vranitzky.“

Heute, Dienstag, tritt Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser in den Zeugenstand.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2007)