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Lotterien-Verkauf: Die Lizenz macht den Preis

Die presse (bruckberger)
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Im Poker um den Bawag-Anteil an den Lotterien ist die Neuvergabe der Konzession das Ass.

wien(eid). „Um jeden Preis kaufe ich die Lotterien nicht.“ Karl Stoss, seit Mai neuer Generaldirektor von Casinos Austria und Lotterien, lässt mitten im Verkaufsprozedere für den 34-Prozent-Anteil der Bawag an den Lotterien aufhorchen. Das Preis-Limit, das sich die Casinos Austria dabei gesetzt haben, „werde ich Ihnen sicher nicht sagen“, meinte Stoss am Montagabend im „Zigarrenclub“ im Hinblick auf mögliche Konkurrenten. Bisher hat nur der niederösterreichische Automatenproduzent und Kasinobetreiber Novomatic offiziell Interesse am Lotterien-Anteil angemeldet.

Die Schätzungen für den Wert des Bawag-Anteils liegen zwischen 100 Mio. Euro bis 400 Mio. Euro – eine stattliche Differenz. Wie viel der neue Bawag-Eigentümer Cerberus bekommen wird, hänge wesentlich davon ab, wie viel die Lotterien-Konzession wert sei, sagt Stoss. Denn die Lotterien-Lizenz laufe – so wie die Konzession für die zwölf heimischen Kasinos – 2012 aus und würde wahrscheinlich ab 2009 neu vergeben. „Wenn die Lizenz an einen anderen fällt, schmälert das natürlich den Wert der Lotterien ungemein“, so Stoss.


Ungleicher Wettbewerb

Schon jetzt sei man bei den Videolotterie-Terminals (WinWin) und Onlinespielen (Win2Day) großer – zum Teil illegaler – Konkurrenz ausgesetzt, verwies Stoss einmal mehr auf den „Wettbewerb mit ungleichen Spießen“. Denn der Konzern hätte sich bei Online-Spielen zum Spielerschutz strengen freiwilligen Selbstkontrollen auferlegt: Das Mindestalter beträgt 18 Jahre, der Spieleinsatz pro Woche maximal 800 Euro. „Das schmälert natürlich die Einspielergebnisse“, betonte Stoss. WinWin müsse zusätzlich zu den 40 Prozent Bundesabgabe in Wien noch eine Vergnügungssteuer von 1400 Euro pro Monat und Automat entrichten.

Dass seine Ansage, er werde den Lotterien-Anteil nicht zu jedem Preis kaufen, just eine Einladung für Mitbieter sei, will Stoss so nicht sehen. Die Casinos, die mit Banken und dem ORF die restlichen Lotterien-Anteile halten, befänden sich in einer „komfortablen Situation“. „Wir haben ein Vorkaufsrecht und müssen keine Due Dilligence (vertiefte Prüfung eines Unternehmens, Anm.) machen, wir kennen das Unternehmen.“


Expansion nach Russland?

Ungeachtet des Pokers um die Lotterien sieht sich der Glücksspielkonzern nach Expansionsmöglichkeiten im Ausland um. Dazu gehört neben Argentinien, wo die Casinos eine Lotterien-Lizenz haben, vor allem Russland. Dort steht, wie die „Presse“ berichtete, eine völlige Neuordnung des Glücksspielwesens an. Künftig soll es vier Spielzonen geben. Er, Stoss, sei so wie andere internationale Anbieter eingeladen, sich das Projekt anzusehen. Demnächst reise er nach Kaliningrad.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2007)