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Burma: Die Leiden der „Prinzessin“ aus Kärnten

(c) Die Presse (Archiv)
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Inge Sargent, einst Prinzessin in Burma, über die gescheiterte Safran-Revolution in ihrer früheren Heimat.

BOULDER/WIEN. Ihr Deutsch, entschuldigt sie sich gleich zu Beginn, ist ein wenig eingerostet. Immerhin lebt Inge Sargent seit rund 30 Jahren in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.

Doch die 74-Jährige spricht ein gepflegtes Hochdeutsch mit österreichischer Färbung und nicht ein Austro-amerikanisches Schwarzeneggerisch, das sich sonst bei lange in den USA lebenden Österreichern einschleicht. Sargent, geborene Eberhard und Tochter eines Försters stammt aus St.Leonhard im Lavanttal und sie ist die letzte lebende „Mahadevi“ – „himmlische Prinzessin“ – der Shan. Die Shan sind die größte Minderheit im Vielvölkerstaat Burma (Myanmar), sie sind nahe mit den Thai (ca. vier Millionen) verwandt und leben im Osten Burmas.

Unverhofft Prinzessin wurde Sargent, als sie 1952 als Austauschstudentin in Colorado mit 20 Jahren ihren Kommilitonen Sao Kya Seng kennenlernte, den sie im März 1953 heiratete. Er verschwieg ihr, dass er Kronprinz der Shan ist. Erst als im Hafen von Rangun dem Schiff, auf dem das Paar nach Burma gereist war, festlich geschmückte Boote entgegenpaddelten und sie feierlich empfangen wurden, gestand Sao ihr seine wahre Identität: Er sei Prinz des Fürstentums Hsipaw. Von nun an sollte Sargent als Mahadevi in exotischem Luxus leben.

Flucht nach Wien und Colorado

Als General Ne Win am 2. März 1962 die Macht übernahm, wurde Sargents Ehemann Sao verschleppt und ermordet. Sargent konnte mit ihren Töchtern Mayari und Kennari zuerst nach Wien und dann nach Colorado flüchten, wo sie ein neues Leben begann.

Doch Burma konnte sie nicht vergessen. „Mein zweiter Mann und ich sind bei der Burma Lifeline engagiert“, sagt Sargent im Gespräch mit der „Presse“. „Wir sind nicht mehr politisch tätig – dazu bin ich schon zu lange weg, aber wir tun alles, um den burmesischen Flüchtlingen zu helfen.“ Sie verfolgt die Ereignisse in Burma aufmerksam und mit Spannung, steht mit Exil-Burmesen und Helfern in Kontakt und arbeitet eng mit der Hilfsorganisation „Helfen ohne Grenzen“ zusammen. Sie fürchtet, dass bei den Unruhen viel mehr Menschen umgekommen sind, als bisher bekannt: „Das war auch 1988 so, damals sind nach offiziellen Angaben 3000 Menschen ermordet worden, in Wirklichkeit gab es 10.000 Tote.“

Doch man kann kaum etwas tun, sagt sie, außer: „Daumen halten, beten und meditieren – man darf trotz alledem nicht in Depression und Pessimismus verfallen. Eines Tages wird es den Burmesen gelingen, das Joch der Generäle abzuschütteln.“