MEL: Diskont-Aktien „definitiv nicht in einer Stiftung“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Drittel-Eigentümer der Meinl European Land bleibt im Dunkeln.

wien (ju). Ein altes ORF-Interview des Bankers Julius Meinl V. sorgt jetzt wieder für Aufregung in der Meinl-Gruppe: Meinl hatte 1998 im Mittagsjournal erklärt, die gesamte Gruppe sei – zum Teil über Zwischenholdings – in einer liechtensteinischen Privatstiftung „organisiert“. Auch die Immobiliengruppe, aus der später die Meinl European Land hervorgegangen ist. Derzeit versucht die Meinl-Gruppe (nicht zuletzt aus schadenersatzrechtlichen Gründen) freilich, die völlige Unabhängigkeit der Meinl-Gesellschaften von der Meinl Bank zu betonen und jeden Zusammenhang der Unternehmen heftigst zu dementieren.

Entsprechend scharf hat die Gruppe auf Berichte über das damalige Interview reagiert: „Eine Fehlinterpretation“. Was freilich durch die Aufzeichnung des Gesprächs widerlegt wird. Meinl damals wörtlich: „Letztlich ist alles in einer Privatstiftung organisiert“. Und auf die Frage, ob wirklich alles in dieser liechtensteinischen Stiftung stecke: „Über Zwischenschritte ja“.

Mit der später gegründeten MEL „hat das aber gar nichts zu tun“, sagt MEL-Sprecher Rupert Heinrich Staller. Freilich: Die MEL hat 150 Millionen sogenannte „Partly Paid Shares“ (PPS) ausgegeben. Deren unbekannte Eigentümer sind also so gut wie gratis zu einem Drittel der Stimmrechte gekommen. Könnte es sein, dass diese Aktien in dieser ominösen oder in einer anderen Stiftung liegen? Meinl hat bisher ausgeschlossen, dass er, seine Familie oder die Meinl Bank die „Partlys“ besitzen.

Staller zuerst: „Wir haben über die Partly Paid Shares schon zur Genüge gesprochen, dem ist nichts hinzu zu fügen“. Um nach einiger Zeit dann hinzu zu präzisieren: „Eine Stiftung als Eigentümer kann ich ausschließen“.

Damit bleiben die PPS mysteriös: Die Namensaktien sind auf den Namen „Tshela Nominees“ (Tshela war zumindest bis 2004 eine hundertprozentige Meinl-Bank-Tochter) ausgestellt. Tshela ist, so Staller zur „Presse“, eine „reine Treuhandstelle“. Registrierter Eigentümer der Aktien ist also der Treuhänder der weiter im Dunkeln stehenden Besitzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2007)

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