Warum Meinl die MIP und die MAI wirklich auflösen und das Cash-Vermögen den Anlegern zurückzahlen sollte.
Unter dem Eindruck der Krise um die Meinl European Land formieren sich jetzt zahlreiche Kleinanleger hinter der Forderung, Meinl solle seine beiden anderen börsenotierten Unternehmen, die Meinl Airports International (MAI) und die Meinl International Power (MIP), einfach auflösen und das derzeit überwiegend noch in Cash vorhandene Vermögen den Aktionären zurückzahlen. Das wäre, meinen Analysten wohl die sauberste Lösung – und eine, die der Meinl-Gruppe wenigstens ein bisschen Reputation zurückgeben würde.
Das hat was für sich: Die beiden Gesellschaften haben zwar jeweils rund 600 Mio. Euro bei Anlegern eingesammelt, bisher aber – außer der Überweisung von jeweils rund 40 Mio Euro „Fees“ überwiegend an die Meinl Bank – nicht viel zustande gebracht. Die MIP, in der Karl-Heinz Grasser managt (und von der dieser über eine Drittelbeteiligung an der Managementgesellschaft auch Millionen an Gebühren mit verdient) hat bisher kein einziges Projekt „aufgestellt“, die MAI hat einen Mini-Flughafen in Sibirien erworben, was ihrem Aktienkurs eher geschadet als genützt hat. Aber auch bei der MAI liegt die tatsächliche Investitionssumme mit 17 Mio. Euro nicht einmal halb so hoch wie die „Fees“, die sie bereits an die Meinl-Gruppe überwiesen hat.
Mit anderen Worten: Das verbliebene Geld der Investoren ist überwiegend in relativ niedrig verzinsten Geldmarktpapieren veranlagt. Dafür braucht man keine börsenotierte Aktiengesellschaft. Und das ist auch nicht die „Story“, die die Meinl-Investoren gekauft haben.
Diese „Story“ war ursprünglich nicht so unattraktiv: Der renommierte Name Meinl hilft auf dem Kapitalmarkt beim Auftreiben von größeren Summen, die dann in zukunfts- und renditeträchtige Sektoren – wie etwa Flughäfen und Kraftwerke im Osten – investiert werden. Allerdings: Das Modell funktioniert nur, wenn das Management der Gesellschaften attraktive Objekte findet (was bisher nicht der Fall war aber zumindest theoretisch noch passieren könnte). Und vor allem, wenn man ein Kapitalerhöhungskarussell (wie in besseren Zeiten mit der Meinl European Land) in Gang setzen kann, um das Wachstum zu sichern.
Vertrauen im tiefsten Keller
Letzteres ist jetzt aber ausgeschlossen: Nach den aufklärungswürdigen Vorgängen bei der MEL gibt es wohl keinen Analysten, der nicht der Ansicht wäre, dass der Name Meinl auf den Kapitalmärkten für lange Zeit mausetot ist. Kapitalbeschaffung ist in den nächsten Jahren entweder gar nicht oder nur zu sehr hohen Kosten möglich. Womit auch die „Börsenstories“ von MAI und MIP begraben sind.
Für die Aktionäre heißt das nichts Gutes. Wie sehr die beiden Unternehmen weg vom Fenster sind, zeigt deren Bewertung an der Börse: Die MAI, die über ein Cash-Vermögen von etwas mehr als neun Euro pro Aktie verfügt, ist an der Börse derzeit um 6,08 Euro zu haben. Die MIP, die 9,30 Euro pro Aktie in bar auf der hohen Kante liegen hat, war zuletzt um 6,80 Euro zu haben.
Wenn Aktien so weit unter ihrem Cash-Wert gehandelt werden, heißt das nur eines: Das Vertrauen in die beiden Unternehmen ist nicht Null, sondern noch tief darunter. Wieso sonst sollte jemand eine Aktie, für die er selbst im Liquidationsfall neun Euro bekommen müsste, um ein Drittel unter diesem Wert verkaufen. Und wieso sonst sollte auf eine Aktie, bei der man auf den Börsenkurs sozusagen 50 Prozent in Cash gratis drauf gelegt bekommt, nicht ein wilder Run einsetzen?
Die Börse signalisiert: Der Name Meinl ist vorerst tot, die Konzepte mit MIP und MAI sind (durch Eigenverschulden der Meinl-Gruppe) am Boden zerstört – und nicht so bald wieder hoch zu bekommen.
Aus Sicht der Anleger wäre ein Ende mit Schrecken (zu einem Verlust, der bei einer Zurückzahlung des Barvermögens unter zehn Prozent bleiben würde) besser als ein Kurs-Schrecken ohne Ende.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2007)