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Rumänien: „Zeitbombe“ Umweltrecht

Schärfere Auflagen erhöhen Projektkosten und Abhängigkeit von Behörden.

BUKAREST (go). Seit 1. Jänner 2007 ist Rumänien EU-Mitglied. Der Beitritt zur Union wurde von westlichen Unternehmen unumschränkt unterstützt. Schließlich bedingt die EU-Mitgliedschaft den Schutz von Investitionen, die Modernisierung der Verwaltung und nicht zuletzt Zugang zu den europäischen Fördertöpfen.

Mit einiger Verspätung stellen die Investoren nun aber fest, dass der EU-Beitritt des 22-Millionen-Einwohner-Staates auch Pflichten nach sich zieht. Zum Beispiel jene, europäische Standards in ökologischen Fragen einzuhalten und Bauprojekte Umweltverträglichkeitsprüfungen zu unterziehen.

„Diese Thema war bisher in einer Art Dornröschenschlaf“, sagt der Bukarester Anwalt Sebastian Gutiu. „Wir sagen unseren Klienten schon seit fünf, sechs Jahren, dass sie das nicht auf die leichte Schulter nehmen sollen.“


Altlasten schlummern im Boden

Kein Wunder: Weil es in Bukarest (siehe nebenstehenden Artikel) so gut wie keine freien Bauflächen mehr gibt, müssen neue Einkaufszentren, Bürotürme und Apartmentblocks nach der Methode „Brown Field“ entwickelt werden. Sprich: Man kauft eine der zahlreichen alten Fabriken, die unter den Kommunisten auch ins Stadtzentrum gebaut wurden, reißt sie ab und baut neu. Allerdings wissen westliche Investoren beim Kauf solcher Liegenschaften meist nicht, welche Altlasten im Boden unter einstigen Batterie- oder Lederfabriken dämmern.

Der heimische Energiekonzern OMV machte erst dieses Frühjahr unliebsame Erfahrungen mit den rumänischen Umweltbehörden. Sie warfen der OMV vor, alte Benzinlager und zwei Giftmülldeponien bei der Raffinerie Arpechim ihrer Tochter Petrom nicht ordnungsgemäß saniert zu haben. Es stand sogar die vorübergehende Schließung des Werks im Raum.

Auch die Kosten der Umweltsanierung werden anhand dieser Episode deutlich. Bis 2010 will die OMV rund 200 Mio. Euro allein in die Sanierung von Arpechim stecken – fast ein Siebentel des Kaufpreises für die gesamte Petrom.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2007)