Der diskrete Charme des Milliardärs

Der Geschäftsmann Martin Schlaff scheut die Öffentlichkeit – als Zeuge im Bawag-Prozess musste er die Zurückhaltung aufgeben.

Er gilt als öffentlichkeitsscheu. Keine Fotos, keine Interviews, und schon gar keine Stories über seine Geschäfte. „Ich spreche grundsätzlich nicht mit Journalisten“, lässt der elegant gekleidete 54-Jährige, den das Flair eines Weltmannes umgibt, regelmäßig den Medien ausrichten. Diese Diskretion, die – gewollt oder ungewollt – eine geheimnisvolle Aura rund um den Investor entstehen ließ, musste er am Donnerstag aufgeben. Martin Schlaff war als Zeuge im Bawag-Prozess geladen, und entsprechend groß war das Interesse.

Was wird der Mann, der auf mehrere Milliarden geschätzt wird, sagen? Wird er seinen „guten Freund“ Helmut Elsner anschwärzen? Immerhin ging es an diesem Donnerstag um viele Millionen Euro, die so lange von der Bawag über den Atlantik und wieder zurück geschoben wurden, bis sie in jenen liechtensteinischen Stiftungen landeten, die nach den Verlustgeschäften Wolfgang Flöttls dringend Geld brauchten (siehe oben stehender Bericht).

Ex-Bawag-Boss Elsner ist nur ein Name, allerdings ein wichtiger, im umfangreichen Netzwerk des Sohnes einer jüdischen Kaufmannsfamilie, der mit der auf Holz- und Papierhandel spezialisierten Robert Placzek AG seine Karriere startete. Von seinem Büro am Wiener Trattnerhof pflegt der Opernfan seine guten Kontakte in höchste Wirtschafts- und Politkreise im In- und Ausland und steuert seine Mega-Deals. Abgesehen von seinen Geschäftspartnern Josef Taus und Herbert Cordt, mit denen er auch die spektakulären Akquisitionen der bulgarischen MobilTel und der serbischen Mobtel durchzog, gehören Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach (ihn hievte Schlaff in den RHI-Aufsichtsrat) und Ex-Casinos Austria-Boss Leo Wallner genauso zu Schlaffs Netzwerk wie der verstorbene Palästinenserführer Yassir Arafat und Israels Ex-Premier Ariel Sharon.

Untersuchungen über angebliche Schmiergeld-Zahlungen an Sharon verliefen jedoch genauso im Sand wie sich Vorwürfe als haltlos erwiesen, Schlaff habe für die DDR Scheingeschäfte mit technischen Geräten zum Schaden der BRD gemacht. Über den Vorwurf, er sei auch DDR-Agent gewesen, kann der Mann, der sich auch als Kunstmäzen betätigt, heute nur lachen. „Hätte ich ernsthaft jeden Unfug kommentiert, der damals über mich geschrieben wurde, wäre ich damit voll ausgelastet gewesen“, sagte er einmal dem „Profil“.

Da sind handfeste Geschäfte spannender. Bulgarien, Serbien und jetzt Weißrussland: Immer ging es um Handyfirmen und jedesmal bereitete Schlaff den Weg für die Telekom Austria. Das politische Terrain in diesen Ländern war und ist, wie in Weißrussland, extrem heiß – zu heiß für die börsenotierte Telekom Austria. Schlaff, der keinem Aktionär Rechenschaft schuldig ist, spielt dort sein Verhandlungsgeschick und G'spür für heikle Deals voll aus. Das funktionierte in Bulgarien mit dem russischen Geschäftsmann Michail Chernoy, der in etlichen europäischen Ländern Einreise- und Aufenthaltsverbot hat. Das funktionierte in Serbien mit dem serbischen Mogul Bogoljub Karic. Dass die Mobtel (jetzt Mobi63) bei der Auktion nicht an die Telekom, sondern die Telenor ging, kam Schlaff nur zupass, denn er lukrierte durch den hohen Kaufpreis einen höheren Gewinn. Die Österreicher bekamen dann die dritte serbische Handylizenz viel billiger – nicht ganz ohne Hilfe von Schlaff, wie gemunkelt wird. In Weißrussland ist er wieder dabei, diesmal mit dem syrischen Geschäftsmann Id Samawi als Partner. Und der nächste Deal? Der dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2007)

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