Österreich öffnet seinen Arbeitsmarkt für Bürger aus neuen EU-Staaten. Freilich nur für ein Jahr und nur für jene, die wir brauchen. Ein Witz.
Wir haben ja doch ein weiches Herz: Österreich zeigt sich ab dem kommenden Jahr gegenüber „Fremdarbeitern“ deutlich großzügiger. Fachkräfte aus den neuen EU-Ländern dürfen ab Jänner hierzulande legal arbeiten. Das ist vor allem einmal eines: höchste Zeit. Österreich und Deutschland sind ja die letzten zwei EU-Staaten, die den Begriff des „vereinten Europa“ noch ein wenig einseitig auslegen. Die beiden größten Profiteure der Ostöffnung sehen es nämlich nicht so gerne, wenn Menschen aus neuen Mitgliedstaaten ausgerechnet bei uns nach mehr Wohlstand suchen.
Der aktuelle Anflug von Menschlichkeit und Fairness hat allerdings weniger mit dem „Fall Arigona“ zu tun. Schon mehr mit dem Mangel an Fachkräften im Inland. Wir brauchen diese Menschen also, um unseren Lebensstandard abzusichern. Ungeachtet dessen ist die Aktion freilich auf ein Jahr beschränkt. Damit das nur ja kein Dammbruch wird! Hilfskräfte müssen überhaupt bis 2011 draußen bleiben, darauf pochten gestern Vertreter der Regierungspartei SPÖ.
Wie das mit der Forderung derselben SPÖ nach einem Bleiberecht für abgelehnte Asylwerber zusammengeht? Gar nicht. Macht aber nix. Man wird ja noch Probleme mit Menschen haben dürfen, die hier arbeiten wollen, obwohl sie keinen hiesigen Pass haben. Vor allem, wenn es sich um Hilfsarbeiter und Putzfrauen handelt. Vor solchen Arbeitswilligen muss sich das viertreichste Land mit der drittniedrigsten Arbeitslosigkeit der EU schon schützen, nicht wahr? (Bericht: Seite 21)
franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2007)