Glücksspiel. Die alte Geschäftsbeziehung zu Omnia-Mitbesitzer Gert Schmidt lebt auf.
wien.Vor kurzem haben die Casinos Austria den Rückzug aus Südafrika fixiert: Für den Anteilsverkauf an den Gold Reef Resorts kassiert der Glücksspielkonzern rund 200 Mio. Euro. Nur ein Zehntel dieser Summe winkt beim nächsten Ausstieg, dennoch ist der Verkauf der acht Kasinos in Tschechien so gut wie fix. „Ja, wir führen Verkaufsgespräche“, bestätigt Casinos-Sprecher Martin Himmelbauer der „Presse“.
Konkret geht es um die Spielstätten in Budweis, Karlsbad, Prag, Folmava, Pilsen, Teblice und zwei in Brünn die Roulette, Poker und Automatenspiele anbieten. Bis auf das Kasino in Pilsen schreiben alle Häuser Gewinne. Warum ziehen sich die Casinos dann aus Tschechien zurück? „Es ist ein heikles Terrain“, gibt sich Himmelbauer in Anspielung auf die – zum Teil illegale – Konkurrenz bedeckt. Kein Geheimnis machen die Casinos hingegen daraus, mit wem sie die Verkaufsgespräche führen: Es ist der in der Glücksspielbranche allseits bekannte Gert Schmidt. Casinos-Finanzchef Josef Leutgeb bestätigt in einem der „Presse“ zugespielten E-Mail Schmidt die Verkaufsabsichten in Tschechien und nennt einen Preis von 20 Mio. Euro. Diese Summe bestätigt Himmelbauer nicht.
Langjährige Kontakte
Schmidt, Gesellschafter der „Omnia Communication-Centers GmbH“, einem Anbieter von Online-Unterhaltungsspielen, führt seit Monaten „Krieg“ gegen Anbieter von Online-Wetten und -Glücksspielen. Omnia hat Bwin, Cashpoint, Wettpunkt und Bet-at-home auf Erlass einer einstweiligen Verfügung geklagt, weil diese über keine österreichischen Lizenzen verfügen, sondern Konzessionen in Malta und Gibraltar haben. Diese Klagen sind – außer jene gegen Bet-at-home, die noch anhängig ist – in erster oder sogar schon zweiter Instanz abgelehnt worden.
In der Glücksspielszene hält sich daher hartnäckig das Gerücht, Schmidt bzw. die Omnia agierten im Auftrag der Casinos Austria, die auf diese Art und Weise ihre Konkurrenz ausschalten will. „Das stimmt definitiv nicht“, sagt Himmelbauer. Ganz von ungefähr kommt das Gerücht jedoch nicht. Denn Schmidt, der im Gegensatz zu seinem Geschäftsfreund Wilfried Goll weder bei der Omnia noch deren Eigentümerin „Profi PR GmbH“ im Firmenbuch aufscheint, war Geschäftspartner der Casinos Austria. Und zwar bei den Adria Casinos, an denen in den 90er Jahren die Casinos Austria und der Automatenhersteller und Kasinosbetreiber Novomatic beteiligt waren. Schmidt unterhält überdies sehr gute Beziehungen zum gerade ausgeschiedenen Aufsichtsratspräsidenten der Casinos Austria International, Gustav Adolf Neumann.
Ex-VP-Parlamentarier als Käufer
Schmidt dürfte bei dem Tschechien-Deal allerdings nur Mittelsmann sein: Denn in einem weiteren, der „Presse“ vorliegenden E-Mail, tritt als Kaufinteressent Paul Burgstaller auf. Der ehemalige VP-Parlamentarier, der nach einer sexistischen Äußerung zurücktreten musste, war einst Geschäftsführer des von Schmidt herausgegebenen Magazins „Erfolg“ und hat inzwischen selbst eine Glücksspielfirma: „Impera Casino Entertainment technology“.
AUF EINEN BLICK
Die Casinos Austria verkaufen ihre tschechischen Kasinos. Sie verhandeln dabei mit Gert Schmidt, dem Gesellschafter einer Firma, die Bwin verklagte.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2007)