Die Risiken der Schengen-Grenzöffnung sind beherrschbar. Aber nicht die Ängste vor diesem historischen Schritt.
Die Öffnung der Grenzen zu Österreichs Nachbarländern ist ein Risiko. Doch es lässt sich auf ein einziges Faktum reduzieren: Wir müssen künftig jenen Sicherheitsbeamten vertrauen, die an den Außengrenzen von Ländern wie der Slowakei oder Ungarn ihren Dienst versehen. Sie müssen Schlepper, Menschenhändler und Drogenschmuggler abfangen. Niemand kann heute behaupten, dass sie diese Aufgabe schlechter bewältigen werden als unsere Beamten bisher. Die Sicherheitsbilanz könnte sogar positiv ausfallen, wenn die Kooperation der Polizeibehörden innerhalb des neuen Schengen-Raums wirklich funktioniert.
Dennoch: Die Angst vor der Grenzöffnung ist groß. Und sie überschattet eine eigentlich äußerst positive Entwicklung. Durch Schengen wächst unsere Bewegungsfreiheit. Österreich ist nun endgültig keine Randregion mehr, sondern tatsächlich ins Zentrum Europas gerückt. Wir können aus einem riesigen Kulturraum schöpfen – ohne Staus, ohne emotionale Schranken.
Das ist der Duft von Freiheit, den dieses Land dringend braucht. Verschrobene Grenzregionen, die zum Biotop wirtschaftlicher Tristesse und Mutlosigkeit wurden, sollten endgültig der Vergangenheit angehören. Freiheit, so muss aber jedem klar sein, birgt eben ein Risiko in sich. Wer Ketten sprengt, hat auch weniger zum Anhalten.
(Berichte: Seiten 1 bis 4)
wolfgang.boehm@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2007)