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Finanzkrise: „Auch Basel II mitschuldig“

RZB-Vorstand Patrick Butler über Lehren aus den Turbulenzen an den Finanzmärkten.

wien (dom). Die US-Hypothekenkrise, die weltweit zu Problemen an den Kredit- und Anleihemärkten geführt hat, sollte nach Ansicht von Patrick Butler, Treasury-Vorstand der Raiffeisen Zentralbank (RZB), zu einem Umdenken führen. So hätten sich die als „Basel II“ bekannten internationalen Regeln, die strenge Eigenmittelvorschriften für Banken vorsehen, als kontraproduktiv erwiesen. Um Eigenmittel zu sparen, hätten viele Institute in extrem komplizierte Finanzvehikel („Conduits“) investiert, die nicht in den Bilanzen stehen und völlig unreguliert sind.

Basel II wirkt nach Ansicht von Butler sogar prozyklisch: In guten Zeiten mit niedrigen Ausfallsraten brauchen die Banken weniger Kapital. Steigen hingegen die Ausfälle, brauchen sie mehr, gleichzeitig sei es aber gerade dann am schwierigsten, dieses zu beschaffen. „Wenn alle Marktteilnehmer zur gleichen Zeit das Gleiche tun müssen, wird das natürlich zum Problem,“ sagte Butler bei einem Pressegespräch.

Die Krise, die nach Ansicht des RZB-Vorstands weitgehend ausgestanden ist, werde das „Aus“ für extrem komplizierte Finanzprodukte bedeuten. Einerseits seien diese für die Mehrzahl der Anleger, oft sogar für Fachleute nicht mehr durchschaubar. Andererseits könne das damit verbundene Risiko kaum bewertet werden. Auch die ausgefeiltesten Modelle zur Risikoabschätzung könnten auf Dauer das Wissen über den Markt und die Kundenbeziehung nicht ersetzen. Banken werden in Zukunft wieder vermehrt auf Liquidität achten, Kunden höhere Risikokosten akzeptieren müssen.

Butler kritisierte die Ratingagenturen und forderte Zentralbanken und Finanzbehörden auf, sich stärker auch um Hedgefonds und andere unregulierte Finanzgesellschaften zu kümmern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2007)