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Karriere und Nachwuchs: Wenn Kinder ein Störfaktor sind

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Politikerinnen klagen über negative Erfahrungen.

WIEN.Die Vorstellung von einer Karrierefrau umfasst für gewöhnlich kein kleines Kind, das sich am Rockzipfel mit zu einer Veranstaltung ziehen lässt. Dass es organisatorisch oft nicht anders geht, ist eine Erfahrung, die Andrea Eder-Gitschthaler, ÖVP-Nationalratsabgeordnete, des öfteren gemacht hat. Und es war nicht unbedingt eine erfreuliche.

Die bisher schlimmste Erfahrung machte sie bei einer Veranstaltung, zu der sie auf ein Podium geladen war und zu der sie mit ihrer kleinen Tochter erschien. Es folgten der Hinweis, dass nur geladene Gäste eingelassen würden, und die Frage, was sie hier mit einem Kind wolle. Zwar genügte dann die Erklärung, dass sie als Nationalratsabgeordnete auf dem Podium sprechen solle, die Episode blieb dennoch befremdlich.

„Wenn ich ein Kind mithabe, werde ich automatisch als nicht so kompetent wahrgenommen wie ohne Kind“, so die ÖVP-Mandatarin. Man werde nicht mehr als Person oder in der beruflichen Funktion erlebt, sondern nur noch als Mutter. Eder-Gitschthaler, die politisch viel unterwegs ist, und ihr Kind zu ausgewählten Veranstaltungen schon allein deshalb mitnimmt, weil so mehr Zeit gemeinsam verbracht werden kann, lässt sich aber nicht unterkriegen. „Das wäre das Einfachste, das Kind nicht mehr mitzunehmen.“ Dafür fehle ihr aber schlicht die Einsicht.

Ihre Kollegin Gerlinde Rogatsch, ÖVP-Klubobfrau im Salzburger Landtag, sieht den Beruf der Politikerin im Vergleich mit anderen nicht als besonders schwierig vereinbar mit der Mutterrolle. Wenn sie ihren dreijährigen Sohn zu einer Veranstaltung mitnehme, so gebe es Reaktionen der Bewunderung ebenso wie „Rabenmutter“-Blicke.

Besonders kinderfreundlich erlebt sie Österreich aber nicht. Während in Italien ein schreiendes Kind zur Tagesordnung gehöre und zumindest keine negative Beachtung finde, ernte man in Österreich mit nicht lautlosen Kindern sofort Beschwerden. Es könne durchaus passieren, dass man in einem Restaurant gefragt werde, ob man mit dem Kind nicht zu Hause essen könne. Und wenn man mit einem Kinderwagen vor einem Zebrastreifen auf einen bremsenden Autofahrer wartet, kann man nach Erfahrung von Rogatsch oft eher Wurzeln schlagen.


„Wer fragt Herrn Amon?“

Die Dritte Nationalratspräsidentin und Vizechefin der Grünen, Eva Glawischnig, musste auch schon feststellen, dass man in Begleitung des eigenen Kindes nur noch als Mutter und nicht mehr in der beruflichen Rolle wahrgenommen wird. Als Politikerin leide man öfter darunter, als Frau beurteilt zu werden statt auf einer fachlichen Ebene. Was sie auch ärgere, ist, dass immer Frauen gefragt werden, wie sie denn Kind und Beruf unter einen Hut bringen. „Wer fragt denn den Herrn Amon (ÖAAB-Generalsekretär,Anm.), wie er das macht?“ Auch ihren eigenen Mann, der in puncto Kinderbetreuung sehr viel mithelfe, frage kaum jemand nach der Vereinbarkeit mit seiner Vaterrolle. Aber es gebe auch viele Beschwerden aus der Bevölkerung. So sei etwa die Mutter eines sieben Monate alten Still-Babys bei einem Beratungsgespräch beim Arbeitsmarktservice (AMS) gefragt worden, wozu sie ihr Kind mitbringe. Das AMS habe sich für den Vorfall entschuldigt.

Aber auch eine Dritte Nationalratspräsidentin plagen Sorgen. Dabei geht es etwa um nicht Straßenbahn-kompatible Kinderwägen oder den fehlenden Wickelraum im Hohen Haus. „Oder einfach die Frage, wo stelle ich im Parlament einen Kinderwagen hin? Neben meinen Schreibtisch?“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2007)