Die Boku bekommt ein drittes Gebäude in der Muthgasse. Das „Vienna Institute of Biotechnology“ wird dort residieren.
Wien. Obwohl Heiligenstadt nicht gerade das Aushängeschild der Döblinger Noblesse ist, findet man neben dem Karl-Marx-Hof doch einige Zentren, die von sich reden machen. Von der Heiligenstädter Lände sendet der meist gehörte Radiosender und in der Muthgasse entsteht die meist gelesene Tageszeitung Österreichs. Nun soll dort ein weiterer Superlativ entstehen: Das „Vienna Institute of Biotechnology“ (VIBT), seines Zeichens größtes Kompetenzzentrum für Bio-, Nano- und Lebensmitteltechnologie.
Der Spatenstich erfolgte im Juni dieses Jahres, doch bis es dazu kam, musste Hermann Katinger, Leiter des Instituts für Angewandte Mikrobiologie (IAM/DBT) der Boku, viel Zeit und Energie aufwenden. Er setzte sich bei Bund, Ministerien und der Stadt Wien dafür ein, dass die Boku mit dem VIBT den Spitzenplatz im internationalen Wettbewerb der Universitäten halten und ausbauen kann. „Unser Ziel ist natürlich, dass hier hochqualifizierte technologische Forschung betrieben werden kann. Neuen Technologien muss man stets eine Tür aufstoßen, nur leider sieht es in Österreich mit der Finanzierung solcher Projekte oft schlecht aus“, so Katinger.
Umso größer ist die Freude, dass dieses Großprojekt – die Zusammenführung der großen Technologie-bezogenen Departments der Boku – innerhalb des VIBT nun umgesetzt wird. Die Biotechnologie, Chemie und Lebensmitteltechnologie haben schon seit langem ihren Sitz in der Muthgasse, wo bisher in zwei Hochhäusern ein großer Teil der Forschung und Lehre untergebracht ist. Räumlich weit entfernt befindet sich das Zentrum für Nanobiotechnologie auf der Türkenschanze, obwohl die beforschten Gebiete und Themenkreise so nahe an denen der Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie liegen.
Praktikumsintensives Arbeiten
Bis 2009 wird also ein drittes Gebäude in der Muthgasse gebaut, sodass sowohl die Nanobiotechnologie aus dem 18. in den 19. Wiener Gemeindebezirk umsiedeln kann als auch die aus den Nähten platzenden Departments der Häuser Eins und Zwei in der Muthgasse sich hier ausbreiten können. „Die drei Häuser werden im Bereich des Zwischengeschosses (altes Gebäude) bzw. Erdgeschoss (neues Gebäude) verbunden sein. Im neuen Gebäude werden die Räume im Erdgeschoss ausschließlich dem Studentenbetrieb zur Verfügung stehen.
„Es wird neue Übungsräume, Hörsäle und Seminarräume geben“, sagt Beatrix Reinprecht, wissenschaftliche Mitarbeiterin des IAM/DBT. „Man darf nicht vergessen, dass die Ausbildung der Studenten ein bedeutendes Standbein des Universitätsgeschehens ist. In technologischen Studien läuft das sehr praktikumsintensiv ab und muss in kleineren Gruppen erfolgen. Unser Raum dafür war bisher sehr eng.“
Die räumliche Verbindung der drei Häuser des VIBT soll besonders durch eine Brücke quer über die Muthgasse gewährt werden. Da sieht man, wie mit Metaphorik und der wortwörtlichen Umsetzung der Phrase „Brücken bauen“ Ernst gemacht wird. Denn hier entsteht mit dem dritten Haus etwas Neues und Modernes, ohne dass auf das bewährte „Alte“ verzichtet werden muss.
Das Kunststück, „alte“ Erfahrung der bestehenden Departments mit den modernen Räumlichkeiten des neuen Komplexes zu verbinden, soll über eben diese Brücke gelingen. Um 24.000 Quadratmeter wird die Nutzfläche des VIBT erweitert, wovon zirka 14.000 von der Boku genutzt werden. Mit der Vermietung der restliche Fläche an Biotech Spin-Offs (Ableger-Firmen) und Start-Ups (Neugründungen) soll ein High-Tech Gründerzentrum entstehen.
Vernetzung bringt Vorteile
„Wichtig ist uns die Standortstärkung für Wien. Wir erwarten hier eine synergistische Wirkung mit anderen Universitäten und dem Vienna Biocenter Bohrgasse“, sagt Katinger. Aktuell laufen schon zahlreiche Kooperationen mit dem Vienna Biocenter im dritten Bezirk und der Ausbau des VIBT soll als Ergänzung und keinesfalls als Konkurrenz angesehen werden. Durch die räumliche Zusammenführung der Boku Departments Nanobiotechnologie, Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie erhöht sich die Vernetzung der international renommierten Forscher innerhalb der Boku und wird zu einem positiven Außenauftritt für Kooperationen mit anderen Universitäten innerhalb und außerhalb Österreichs führen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2007)