TELEKOM. Schweden haben Markt falsch eingeschätzt.
wien/stockholm (Bloomberg/Reuters). So schnell kann's gehen: Am 11. September kündigte Ericsson-Boss Carl-Henric Svanberg ein „gutes“ drittes Quartal an. Die Aktie des weltweit größten Ausrüsters von Mobilfunknetzen sprang daraufhin um knapp sechs Prozent nach oben. Gestern, Dienstag, war alles anders: Svanberg musste eine Gewinnwarnung ausgeben, die so massiv war, dass sie Börsianer und Analysten total am falschen Fuß erwischte. Demnach soll der Betriebsgewinn des schwedischen Konzerns nur bei 615 Mio. Euro liegen – um 36 Prozent unter dem Vergleichswert 2006. Die Experten hatten hingegen sogar mit einem Anstieg auf 973 Mio. Euro gerechnet. Einen ähnlichen Rückgang werde es beim Nettogewinn auf 440 Mio. Euro geben.
Gewinnwarnung auch bei Siemens?
Das Ericsson-Papier verlor rund 30 Prozent und zog andere Konzerne, die im selben Geschäftsfeld tätig sind, mit. Alcatel-Lucent (der Konzern reduzierte erst kürzlich seine Umsatzerwartungen) verlor knapp sechs Prozent, Nokia und Siemens je drei Prozent. Bei Siemens tauchten Gerüchte auf, dass es ebenfalls eine Gewinnwarnung geben könnte. WestLB und Credit Suisse reduzierten sofort ihre Anlageempfehlung für Ericsson von „buy“ auf „reduce“ bzw. von „outperform“ auf „neutral“.
„Schwedenbitter“ Svanberg zeigte sich tief zerknirscht – „ich bin demütig, betroffen und enttäuscht“, sagte er vor Investoren. „Wir müssen Selbstkritik üben und die Dynamik der Industrie genauer beobachten.“ Diese Erkenntnis hilft Aktionären wenig, zumal sie schon im Sommer Kursverluste hinnehmen mussten. Auch das zweite Quartal verlief für Ericsson enttäuschend.
Der Grund für den Ertragseinbruch ist das deutlich schwächer als erwartete Geschäft mit mobilen Netzwerken im Ausland. Gepunktet haben die Schweden zuletzt mit Aufträgen in Indien und China und kleineren Märkten von Bangladesh bis Mexico. Allerdings drückt die große Konkurrenz auf die Margen. Die operative Marge (Ebit-Marge) fiel von 21,2 auf 12,9 Prozent.
Svanberg wurde 2003 Ericsson-Boss mit dem Auftrag, die von seinem Vorgänger Kurt Hellstroem nach der Fast-Pleite eingeleitete Sanierung durchzuziehen. Dazu gehörte auch ein massiver Jobabbau.
IN ZAHLEN
Ericsson muss im dritten Quartal einen Gewinnrückgang um 36 Prozent auf 440 Mio. Euro hinnehmen.
Diese Gewinnwarnung kam für die Experten völlig überraschend. Die Aktie des schwedischen Telekom-Ausrüsters stürzte daraufhin kräftig ab.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2007)