Keiner ist unnütz

Dank Meinl werden wir wohl verbindlichere „Benimmregeln“ und ein etwas strengeres Börsegesetz bekommen. Und das ist gut so.

Keiner ist unnütz – er kann immer noch als abschreckendes Beispiel dienen. Dieser Uralt-Kalauer fällt einem unwillkürlich ein, wenn man sich die Weiterungen der „Meinl European Land“-Affäre ansieht: Da haben es Julius Meinl und dessen Umgebung mit ihrer unverfroren zur Schau getragenen Arroganz gegenüber zivilisierten Börseregeln doch tatsächlich geschafft, selbst eingefleischte Anti-Regulierer und Marktwirtschaftler wie Böhler-Chef Claus Raidl auf die Palme zu bringen, die nun von dort nach dem Gesetzgeber rufen.

Man kann also ruhig prophezeien: Dank Meinl werden wir einen zumindest in einigen Punkten verbindlicheren „Corporate Governance Kodex“ und wohl auch ein etwas verschärftes Börsegesetz bekommen. Und das ist gut so.

Unverbindliche Regeln sind eine nette Sache, wenn auf dem Markt Fairness herrscht. Sie verkehren sich ins Gegenteil, wenn einzelne Marktteilnehmer – wie etwa die MEL – zum eigenen Vorteil und zum Schaden der Kleinanleger die Grenzen auszuloten (und zu dehnen) beginnen. Das sollte zumindest in einem Börsesegment, das zur Veranlagung von Pensionsgeldern geeignet ist, nicht möglich sein.

Sagen wir es klar: An der ernstzunehmenden Börse eines EU-Landes können auch in Teilbereichen nicht Gesetze von windigen Offshore-Paradiesen gelten. Wer das nicht einsehen will, hat in diesem Markt nichts verloren. Und man muss ihm das notfalls auch per Gesetz klar machen. (Bericht: Seite 19)


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2007)

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