ORF. Der dritte Informations--Schwerpunkt gilt den Kindern. „Rat auf Draht“ gibt der ORF seit 20 Jahren.
Spannung, Spiel, Schokolade? Nein, Information, Orientierung und Unterhaltung will ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz den Zusehern mit diesem Programmschwerpunkt bieten: Ab Freitag bis zum 26.Oktober spielen Kinder die Hauptrolle im ORF. Wobei Barbara Stöckl, die das Thema „Kinder – Träume. Leben. Zukunft.“ am Dienstag präsentierte, darauf bestand, dass der ORF das ganze Jahr über „verdammt gutes Kinderprogramm“ mache – so gut, dass sie das auch selbst anschaue.
Nach Ernährung und Klima im Frühling ist nun der Nachwuchs im Fokus des Rundfunks. Angetreten ist Wrabetz, die „Themenführerschaft“ im Land zurückzuerobern. Also werden alle ORF-Medien miteinbezogen. Infosendungen in Radio und TV befassen sich mit dem Kindsein, Samstag gibt es eine Junior-„Millionenshow“, „Im Zentrum“ steht im Zeichen des Nachwuchses, selbst Barbara Karlich hat ein Special eingespielt.
„Ganz ordinär“ gibt Programmdirektor Wolfgang Lorenz zu, dass „Kinder schließlich die Kunden von morgen sind“ und der ORF auf deren Sendertreue baut. Allerdings soll der Schwerpunkt „kein in den Hauptabend gerutschtes Kinderprogramm“ sein, sondern Antworten geben, auf Fragen wie: „Was heißt ,Kindsein‘ in unserer Gesellschaft?“ Den Anfang macht „Am Schauplatz“ (Freitag): Die Reportage „Wie werde ich Österreicher?“ erzählt von zwei tschetschenischen Kindern, die das „Schauplatz“-Team seit vier Jahren begleitet.
Kinder sind heute starkem Leistungsdruck ausgesetzt – 45Prozent haben laut Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger Angst vor der Zukunft. Scheidungskind, Patchworkfamilie, Multikulturalismus: „Das plaudert sich nett“, sei für Kinder aber sehr komplex. „Die Eltern werden mit der Komplexität alleingelassen.“ Der ORF bietet deshalb auch einen Service-Schwerpunkt – „Rat auf Draht“ feiert den 20.Geburtstag. Seit 1999 zählt die Telefonnummer 147 zu den Notrufen, ist rund um die Uhr gratis erreichbar.
„Kiddy Contest“ inklusive Dokusoap
Den Schlusspunkt setzt der „Kiddy Contest“ am Nationalfeiertag. Moderiert von Mirjam Weichselbraun und erstmals im Hauptabend präsentieren sich die Acht- bis 13-Jährigen in „Starmania“-Manier: Die Haare zum Zopf geflochten oder mit viel Lack zur Irokesen-Frisur hochgestellt, den Baby-Speck in Jeans kaschiert oder langbeinig im Faltenröckchen – im September verbrachten die elf Finalisten des „Kiddy Contests“ vier Tage in einem Camp auf Schloss Hof. Dort lernten sie, vor Publikum zu singen und zu tanzen. Was ein echter Kinderstar zu beachten hat, erklärte Vorjahressiegerin Tanja Kreutmayer der „Presse“: „Es geht darum zu zeigen, dass man Spaß hat – und wenn man mal den Text vergessen hat, dann muss man so tun, als ob nichts wäre.“ Über die Vorbereitungen im Camp berichtet eine Dokusoap im ORF1-Vorabendprogramm (Mo–Do, 17.20; Fr, 18h).
Wrabetz' Quotenerwartungen für den Schwerpunkt? Mit der „Quantifizierung von Erwartungen“ sei er (mittlerweile) vorsichtig.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2007)