Akte 07 (sat1)

Fernsehen, dein Freund und Richter

Das Fernsehen, dein Freund und Helfer. Das wollen sie doch alle sein, die TV-Stationen dieser Welt. Sie wollen einem das Los mit den Frauen als halb so schlimm erklären – und senden „Desperate Housewives“; sie wollen einem weis machen, das Wetter wäre ganz in Ordnung – und stellen Live-Kameras in die Graupelschauer ferner Bergspitzen; sie wollen einem einreden, dass ein Speckröllchen kein Grund zu Sorge ist – und lassen Diätassistentinnen kiloweise Gummibären stapeln, um das exorbitante Übergewicht zerknirschter Kandidaten zu verdeutlichen. Sie machen sich zum Lebensberater, Therapeuten oder Anwalt. Auf Sat1 ist Ulrich Meyer in „Akte07“ der Mann mit dem verständnisvollen Nicken und dem unheilschwangeren Unterton – so eine Art Mischung aus Barbara Stöckl und Eduard Zimmermann.

Am Dienstag ging es – „exklusiv!“ – um illegale Straßenrennen und einen Unfall, bei dem einer der Teilnehmer getötet wurde. Er hatte das Geschehen bis zum Unfall selbst gefilmt. Und so findet man sich unversehens auf dem Beifahrersitz wieder, sieht das andere Auto vorbeirasen... einen abdrängen... die Wiese immer näher kommen... Da kann sich jeder einen Reim drauf machen. Und soll es auch, wenn es nach „Akte07“ geht. Dort ist das Urteil gefällt, noch bevor das Verfahren beginnt. So macht sich das Fernsehen auch zum Richter. Helfen tut das freilich nicht.


isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2007)

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