Iris Ortner, Botschafterin der Kaderschmiede Insead, über den MBA – was er kostet und was er bringt.
Die Presse: Die Ranglisten der besten MBA-Programme werden seit Jahren von US-Universitäten dominiert. Was können denn die Amerikaner besser als die Europäer?
Iris Ortner: Ich würde nicht sagen, dass sie etwas besser können. Im angloamerikanischen Raum haben MBA's einfach ein höheres Image bei Arbeitgebern und Studenten sowie eine längere Tradition. Es ist in den USA und in Großbritannien eben viel normaler, nach dem Studium ein paar Jahre zu arbeiten und dann noch einen MBA anzuhängen.
Wozu überhaupt einen MBA?
Ortner: Für jemanden, der Managementaufgaben übernehmen will, aber keine wirtschaftliche Grundausbildung hat, ist ein MBA geradezu ideal. Für mich als ausgebildete Technikerin ist es schon von Vorteil, dass ich heute Bilanzen lesen kann. Zudem öffnet ein MBA aufgrund der verschiedenen Nationalitäten die Augen für andere Welten: Es ist ein großer Unterschied, ob man ein Problem in einer Gruppe mit österreichischen Studenten zu lösen hat oder gemeinsam mit einem indischen Computerexperten, einem israelischen Hubschrauberpiloten und einem britischen Profi-Geiger.
Was Studenten bei Insead bekommen, kriegen sie auch in Harvard oder Yale.
Ortner: Nicht ganz. Bei Insead kommen höchstens zehn Prozent der Studenten aus einem Land. In den USA nennt sich ein MBA-Programm schon „international“, wenn nicht mehr als 80 Prozent der Studenten Amerikaner sind. Zudem kann man in Fontainebleau und in Singapur studieren. Die Programme laufen parallel, man kann problemlos zwischen beiden Orten wechseln. Und nicht zu vergessen: Bei Insead ist man nach zehn Monaten fertig.
Vermutlich im wahrsten Sinne des Wortes. In den USA dauert der MBA meist zwei Jahre, bei Insead wird das Programm in zehn Monate gestopft.
Ortner: Das stimmt schon, das Programm ist sehr intensiv. Von acht bis 17 Uhr ist Unterricht, danach gibt es Vorbereitungen für den kommenden Tag, die bis in die Nacht hineingehen. Der Stress hat aber auch den Vorteil, nach zehn Monaten wieder in den Berufsalltag zurückkehren zu können. Das ist nicht zuletzt eine Kostenfrage. Zudem haben viele Studenten bereits eine Familie.
Das MBA-Programm kostet bei Insead 45.000 Euro. Exklusive Lebenskosten und Verdienstentgang. Wie hoch sind denn die Gesamtkosten und wann haben Absolventen diese im Schnitt zurückverdient?
Ortner: Inklusive Lebenshaltungskosten fallen im Schnitt so an die 70.000 Euro an. Und der Verdienstentgang variiert natürlich sehr stark. Wann sich die Investition amortisiert hat, ist schwer zu sagen. Inklusive Verdienstentgang spätestens in fünf bis zehn Jahren, würde ich sagen.
Eine ziemlich lange Zeit.
Ortner: Einige Firmen schießen ihren Mitarbeitern auch Geld zur Ausbildung dazu oder finanzieren das Programm zur Gänze. Es gibt aber auch Stipendien. In Österreich zum Beispiel für Post-Graduate-Kurse vom Wissenschaftsministerium. Und Studenten, die noch am Campus einen Vertrag für eine Firma unterschreiben, winken im Schnitt 15.000 Euro „Sign on“-Bonus. Das macht es dann schon deutlich leichter.
Ist ein MBA bei Insead heute noch Garantie für einen lukrativen Job?
Ortner: Es ist definitiv so, dass man sich sehr ungeschickt anstellen muss, mit einem MBA von Insead keinen guten Job an Land zu ziehen. Viele Studenten werden ja auch direkt vor Ort abgeworben. Vor allem große Beratungsunternehmen von McKinsey bis Boston Consulting Group und Investmentbanken von Morgan Stanley bis Goldman Sachs akquirieren besonders aktiv.
Im Vorjahr waren unter den 450 Studenten nur drei Österreicher. Warum sind heimische Studenten denn so unterrepräsentiert?
Ortner: Das liegt auch daran, dass die Österreicher sehr titelorientiert sind. Ein Doktortitel zählt hierzulande immer noch mehr als ein MBA. Zudem sind lange Studienzeiten in Österreich ein Hindernis (man sollte jünger als 35 sein und über drei Jahre Berufserfahrung verfügen, um an einem MBA-Programm teilnehmen zu können, Anm.). Ich habe zum Glück in der Schweiz studiert und war mit 23 fertig. Das ist in Österreich bei einem technischen Studium kaum zu machen.
Sie haben in Zürich Maschinenbau studiert. Warum nicht in Wien?
Ortner: Weil ich aus Wien raus wollte und Graz nicht so gut kannte. Aachen hatte auch einen sehr guten Ruf, geworden ist es dann die ETH in Zürich.
Wann haben Sie eigentlich Ihr Interesse für den Bereich Maschinenbau entdeckt?
Ortner: In meiner Familie gab es sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits Maschinenbauer. Ich war also ein wenig vorbelastet. Schon als Kind habe ich gerne mit Matchbox-Autos und der Eisenbahn gespielt. Dass ich etwas wissenschaftlich-technisches machen wollte, war eigentlich immer klar.
AUF EINEN BLICK
Fontainebleau? Die Kleinstadt bei Paris ist hierzulande Synonym für die „Business-School“ Insead – eine der weltweit zehn besten Kaderschmieden. Iris Ortner hat ihren MBA bei Insead gemacht, arbeitet nun im elterlichen Konzern und vertritt seit kurzem die Interessen österreichischer Insead-Absolventen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2007)