Novomatic: „Wollen heimische Casino-Lizenzen“

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Glücksspiel. Der Automaten-Betreiber will die Casinos Austria frontal angreifen. Der 36-Prozent-Anteil der Bawag an den Lotterien steht zum Verkauf.

Zagreb/Split. Das Match um den heimischen Glücksspielmarkt ist eröffnet – obwohl die Casinos Austria die Lizenzen für zwölf Spielcasinos und die Lotterien noch bis 2012 exklusiv halten. Ihr größer Konkurrent ist der niederösterreichische Automatenproduzent und Spielbankenbetreiber Novomatic. „Wir werden uns sicher um Spielbankenlizenzen bewerben“, sagt Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt am Rande eines Lokalaugenscheins in Kroatien.

Novomatic will Lotterien kaufen

Auch im Glücksspiel gelte, was in den anderen Wirtschaftsbereichen gilt: Die Weltmacht habe nur derjenige, der einen attraktiven Heimmarkt habe. „Um diesen werden wir kämpfen“, so Wohlfahrt. „Auch zur Absicherung unserer österreichischen Konzernzentrale in Gumpoldskirchen, die wir dort behalten wollen.“

Schon jetzt geht es um ein anderes interessantes Projekt in der Glücksspielindustrie: Der 36-Prozent-Anteil der Bawag an den Lotterien steht zum Verkauf. Auch da will die Novomatic zum Zug kommen: „Wir haben unser Interesse bekundet und die Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet.“ Deshalb dürfe er, Wohlfahrt, auch nichts über das weitere Prozedere sagen.

Wie berichtet lässt der Bawag-Eigentümer Cerberus von der Investmentbank Lehman Brothers Käufer für den Lotterien-Anteil suchen. Die Casinos Austria haben ein Vorkaufsrecht und können dieses nach Vorliegen des Bestofferts ausüben. Beobachter gehen davon aus, dass es mehrere Bieter aus dem In- und Ausland geben wird. Die Novomatic ist bisher aber der einzige Konzern, der Kaufabsichten bekundet hat. Als Preis werden bis zu 400 Mio. Euro kolportiert.

„Das Glücksspielmonopol hat ja auch etwas Gutes“, ätzt Wohlfahrt. „Nie hätten wir sonst so rasch und konsequent ins Ausland expandiert.“ 80.000 Spielautomaten und elektronische Spielanlagen hat die Novomatic im Vorjahr in 60 Staaten exportiert. Heuer sollen es deutlich mehr werden, womit auch ein neues Rekordergebnis erzielt werden soll. Der Umsatz soll laut Wohlfahrt von 1,3 auf 1,5 Mrd. Euro steigen. Die Novomatic, die 550 Automatencasinos und Spielbanken weltweit betreibt, wird in den nächsten drei Jahren 500 Mio. Euro in neue Projekte investieren.

Vom Baltikum bis Bulgarien

Eine der interessantesten Wachstumsregionen sei Osteuropa, wo die Novomatic vom Baltikum bis Bulgarien vertreten ist. Ein vielversprechender Markt ist nun Ex-Jugoslawien. Von Kroatien aus, wo die Novomatic nach nur zwei Jahren Marktführer ist und die Zahl der Automatencasinos in drei bis vier Jahren auf 70 verdoppeln will, wird das Geschäft auf Serbien, Montenegro, Slowenien und Bosnien-Herzegowina ausgedehnt.

In Bosnien gibt es bereits eine Kooperation mit den staatlichen Lotterien. In Slowenien will man zwei Lizenzen erwerben. „Wir suchen in Europa und den angrenzen Ländern Märkte, in denen es schon stabile Rechtsverhältnisse mit einem regulierten Glücksspielmarkt gibt oder solche Gesetze geplant sind“, sagte Wohlfahrt.

Ebenso wichtig wie die legistische Basis sei die wachsende Kaufkraft der Bevölkerung und der florierende Tourismus. In drei Jahren soll sich der Umsatz in ehemaligen Jugoslawien auf 100 Mio. Euro verdreifachen.

Osteuropa ist für Novomatic nicht nur als Markt interessant, sonder auch als Produktionsstätte für Spielautomaten. Zu den bestehenden Werken in Tschechien, Ungarn, Polen und Rumänien kommt nun auch ein neues in Russland (Kaliningrad) dazu.

AUF EINEN BLICK

Franz Wohlfahrt leitet seit 1.1. 2004 die Novomatic.Die Firma betreibt Automaten-Casinos in Österreich, Osteuropa und Südamerika.

In Österreich herrscht für „echte“ Casinos-Lizenzpflicht. Die zwölf vorhandenen Lizenzen werden von den Casinos Austria gehalten. Nur das „Kleine Glücksspiel“ (50 Cent Höchsteinsatz, 20 Euro Maximalgewinn) ist in vier Bundesländern freigegeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2007)

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