New Yorker Börse
20 Jahre Schwarzer Montag
"Beispielloses Kursmassaker an den Weltbörsen". Am 19. Oktober 1987, dem "Schwarzen Montag" in der Finanzwelt, brach der Dow-Jones-Index der New Yorker Börse von 2.247 Punkten um 22,6 Prozent auf 1.739 Punkte ein.Text von Peter Huber
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Als um 16:30 Uhr die Schlussglocke läutete, hatten die Anleger an nur einem Tag mehr als 500 Mrd. Dollar verloren. Das Wertpapier-Vermögen, das dabei vernichtet wurde, entsprach ungefährt dem Bruttoinlandsprodukt Frankreichs.
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Alan Greenspan, damaliger Chef der US-Notenbank Fed, wurde komplett überrumpelt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung:"Wie war der Aktienmarkt heute?", fragte er einen Mitarbeiter der texanischen Landeszentralbank. "Er hat fünf null acht verloren." - "Wunderbar, das war ja eine Rally", antwortete Greenspan, der glaubte es sei von einem Verlust von 5,08 und nicht 508 Punkten die Rede.
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Der Absturz war schlimmer als am "Schwarzen Donnerstag" 1929, als das bekannteste US-Börsenbarometer um 12,8 Prozent abstürzte. Dies war damals der Auftakt der weltweiten Wirtschaftskrise der 1930er Jahre gewesen.
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Der damalige Börsechef John Phelan erinnert sich an den folgenden Dienstag: "Alles war sehr ruhig am Vormittag. Ich wusste nur nicht, ob wir uns in der Mitte eines Tornados befanden, oder ob der Tornado schon vorbei war".Gegen 13:30 drehte sich die Stimmung, die Kurse stiegen. Am Mittwoch erreichte der Dow Jones bereits wieder 2.028 Punkte.
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Der schwarze Montag beendete die Exzesse der 80er Jahre, als skrupellose Männer unter dem Motto "Gier ist gut" unvorstellbare Vermögen machten, schreibt "Spiegel Online".Dieses Motto wurde zum Leitmotiv einer Ära, der Tom Wolfes Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" und Oliver Stones "Wall Street" ein Denkmal setzten.
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Jan Hopkins, 1987 Wirtschaftsreporterin für CNN, erinnert sich in einem Essay Wirtschaftsmagazin "Barron's" an eines der stärksten Bilder des "Schwarzen Montags": "Die Papiertüten mit den unverzehrten Lunch-Rationen der Händler".Der Markt trudelte von der ersten Minute des Handels nach unten - zum Essen blieb da keine Zeit mehr.
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Bis heute streiten sich Experten darüber, warum es zum Börsekrach kam. Eines ist aber bei jeder Börsenpanik immer gleich: Die Aktienbesitzer wollen plötzlich alle gleichzeitig verkaufen, es gibt aber keine Käufer.
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Was waren also die Ursachen? "Seit 1982 trampelten die Bullen durch die Wall Street", schreibt "Spiegel Online". Feindliche Übernahmen standen an der Tagesordnung, Firmen vernichteten sich gegenseitig. Finanziert wurden die Übernahmen auf Pump mittels Ramsch-Anleihen (Junk Bonds). Washingtons Steuerpolitik trug ermutigend dazu bei.
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Investoren stürzten sich mit Euphorie auf jeden neuen Börsengang. Man hoffte auf eine Wiederholung der ersten IPO-Sensation aus dem Silicon Valley: Apple. 1980 wurden so über Nacht Hunderte zu Millionären.Nur wenige sorgten sich darum, dass die Gewinne mit den Preisen nicht mithielten, schreibt "Spiegel Online".
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Angefacht wurde der Aktien-Hype auch durch die Computerisierung des Börsenhandels. Die neuen, noch eher primitiven elektronischen Handelssysteme an den Börsen erlaubten es, viel schneller und mehr auf einmal zu handeln.
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Brennende Frage heute: Kann sich so etwas wiederholen? Die meisten Experten schließen das aus."Ich glaube nicht, dass der Markt noch einmal in einem Tag um 22,6 Prozent fallen kann", zitiert "Spiegel Online" Byron Wien, Chefstratege der Investmentfirma Pequot. "Es gibt heute zu viel Liquidität und zu viele Käufer für eine solche Kettenreaktion".Auch gibt es seit dem "Schwarzen Montag" an der New Yorker Börse Sicherheitssperren. Fallen die Indizes um einen bestimmten Betrag, wird der Handel automatisch für eine gewisse Zeit ausgesetzt.
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Bisher ließen sich jedenfalls alle Börsenkrisen mit Geld aus der Welt schaffen. Als 1907 Aktienkäufe auf Kredit die Börse in die Krise stürzte, war es der Bankier John Pierpont Morgan, der mit anderen Unternehmern Millionen zur Verfügung stellte und damit die Lage entspannte.In der aktuellen Kreditklemme haben die Notenbanken diese Rolle übernommen. Auch vor 20 Jahren entspannte sich die Situation schnell, als die Fed ihre Leitzinsen senkte.
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