Ein Stadt-Spaziergang als Zeitreise

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Trogir. Kunstwerke auf Schritt und Tritt in der Stadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Würde der Presse Business Cup nicht ohnehin in Trogir stattfinden, es gäbe einen wichtigen Grund, das idyllische Kleinod an der dalmatinischen Adriaküste anzulaufen – und das ist die malerische Altstadt. Durch eine massive Steinbrücke auf der nördlichen Seite mit dem Festland und im Süden ebenfalls durch eine Brücke mit der Insel Ciovo verbunden, ist Trogir eine touristische Hochburg, deren Altstadt im Sommer vor Besuchern überquillt. Gleichwohl zählt sie zu den touristischen Mussveranstaltungen der Gegend.

Die weit über 2000 Jahre zählende Altstadtinsel ist eine Schatzkammer: ein enges Nebeneinander von Kirchen, Palästen und Bürgerhäusern, von romanischen und gotischen Fenstern, engen Gassen und lichten Höfen, Torbögen und Treppen. Jeder Spaziergang durch die kleine Altstadt lässt auf Geschichte und Geschichten stoßen.
Nicht zu Unrecht wurde Trogir als Ensemble 1998 von der Unesco zum Welterbe erklärt. Straßencafés, Läden und Restaurants in altem Gemäuer halten die Stadt lebendig und attraktiv, auch für jene, die sich sonst nicht so sehr für historische Kulissen begeistern können.

Radovans Meisterwerk

Das dominierende Bauwerk auf dem Hauptplatz ist die St. Laurentius-Kathedrale, deren Bau um 1200 begonnen und erst 1605 mit dem Turm vollendet wurde: Romanik bis Renaissance verschmelzen hier in vollendeter Form. Ein Meisterwerk des Bildhauers Meister Radovan ist das Hauptportal der Kirche, das aus dem 13. Jahrhundert stammt. Vor zwei Jahren renoviert lässt es die beiden Löwen sowie Adam und Eva links und rechts neben der Domtür in neuem Glanz prangen. Darüber spannt sich ein Reliefreigen von Heiligenfiguren, Jagdszenen, Tier- undPflanzenornamenten. Links vom Portal befindet sich die 1464 vollendete Taufkapelle. Und im Inneren des Doms steht mit der St. Ivan Ursini-Kapelle ein beeindruckendes Denkmal der Renaissance in Dalmatien.
Auf jeden Fall lohnend ist der Aufstieg zum Turm der Kathedrale. Auf Augenhöhe mit den Glocken eröffnet sich ein wundervoller Blick über die Dächer Trogirs und über die vor der Stadt liegenden Schiffe.
An der Ostseite des Hauptplatzes steht der ehemalige Fürstenpalast aus dem 13. Jahrhundert mit romanischen Arkaden und gotischen Elementen, der heute als Rathaus dient. And der Wand sind die Wappen der adeligen Famlien von Trogir zu sehen. Und an der Südseite grenzt der Uhrturm an die Loggia aus dem 15. Jahrhundert. Deren offene Arkaden dienten im Mittelalter als Gerichtsgebäude: Noch heute zeugt der Richtertisch aus Stein von seiner früheren Verwendung.

Reichtum durch Marmor

Trogir wurde im 3. Jahrhundert vor Christus von Griechen aus Syrakus angelegt, die schon damals die klimatisch wie geographisch günstige Lage der Örtlichkeiten und der geschützten Bucht schätzten. Nach ihrer Gründung erhielt die Ortschaft den Namen Dragurion, was soviel wie Ziegeninsel bedeutet. Römer und später Venezianer siedelten ebenfalls hier. Denn die Stadt war beliebt wegen des begehrten Marmors, der in nahe gelegenen Steinbrüchen gewonnen wurde und von Trogir aus in dem Mittelmeerraum verschifft wurde. Der auf diese Weise angehäufte Reichtum der Stadt lockte aber auch immer wieder Piraten an, die mit der leicht zugänglichen Stadt einfaches Spiel hatten. Als Reaktion darauf wurde der Kamerlengo gebaut: Noch heute zeugt die gut erhaltene Befestigungsanlage der Altstadt vom Sicherungsbedürfnis der Trogirer Bevölkerung. Wie ein Wächter ragt die Festung aus dem Meer. Die wuchtige Stadtmauer, die einst von ihm ihren Ausgang nahm und heute noch teilweise sichtbar ist,  scheint die Altstadt-Insel umarmend zu beschützen.
Mit dem Untergang der Seerepublik Venedig Ende des 18. Jahrhunderts endete auch der Reichtum Trogirs. Nach napoleonischer und österreichischer Besatzung kam Trogir Ende des 19. Jahrhunderts zu Kroatien. An seine mittelalterliche Blüte konnte es jedoch nie wieder anschließen.

Lange Zeit lebte die Stadt vom nahe gelegenen Militärstützpunkt, später von der auf der Insel Ciovo erbauten Werft, erzählt der Bürgermeister der Stadt, Vedran Roži´c im Gespräch mit der „Presse“. Als die Kaserne schloss und die Werft wirtschaftlich nicht mehr konkurrenzfähig war, drohte der Ruin. „Deshalb setzen wir seit einigen Jahren voll auf den Tourismus“, sagt er. Auch im Hinblick auf den bevorstehenden Beitritt des Landes zur EU. Und der, sagt Roži´c, „ist nichts anderes als unsere Rückkehr nach Europa.“

Bis es so weit ist, möchte Roži´c noch einige Hoteliers in seine 11.300-Einwohner-Stadt lotsen. Aber außerhalb der Altstadt an der Küste, denn die Innenstadt ist für Neubauten tabu, und ein Umbau der alten Gemäuer ist in den meisten Fällen zu kostspielig. Das aber ist umgekehrt die beste Garantie dafür, dass die Altstadt ihr historisches Gesicht auch in Zukunft bewahrt und ihr Flair mit kleinen Geschäften und einladenden Lokalen beibehält, in denen sich auch der Hafenmeister zwischendurch gerne einmal einen Kaffee oder gar einen Travarica genehmigt.

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