Matinee (ORF2)

Fernseher aus und ab in die Küche

Wenn meine Oma das noch erlebt hätte! Was da heute für ein Zirkus gemacht wird um eigentlich grundlegend Selbstverständliches, ist schon fast wieder lustig. Früher stand die Kuh auf der Weide, wurde vom Bauer geschlachtet und von den Leuten im Dorf als Braten oder Suppe oder Sülzchen ihrer Bestimmung zugeführt. Nichts ließ man verkommen – auch Sauschädel oder Blutwurst wurden gekocht und gegessen (Kalorien oder Cholesterinwerte waren ja auch noch kein Thema). Wer derlei heute betreibt, wer selber Kräuter im Garten (oder auf der Fensterbank) zieht, um sich einen Topfenaufstrich zu quirlen, wer Kompottkirschen einlegt oder gar selber Brot backt gilt ja bereits als Lebenskünstler und Genussmensch der Sonderklasse! Das Einfache ist künstlich überhöht zum Besonderen geworden.

Zelebriert wird das – mit öffentlichen Geldern gefördert – in der Sonntag-„Matinee“ in ORF2. Diesmal: das Marchfeld. Da ist Kirschkompott „eine wahre Delikatesse“, um den Nussbaum tanzen „Liebesgötter und Hexen“, da werden schwarze Nüsse mit „geheimen Ingredienzen“ gekocht und gefüllte Paprika strahlen „mit der Kraft des Sommers auf dem Teller“. Na ja. Früher hätte man einfach gesagt: Das schmeckt. Aber das ist nicht mehr genug. Und lässt sich weniger gut verkaufen als der neue Zinnober. Empfehlung: Fernseher abdrehen und selber kochen!


isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2007)

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