Abwahl einer Peinlichkeit

Das Wahlergebnis in Polen macht Hoffnung, dass Wähler einen zu plumpen, rückwärtsgewandten Nationalismus bestrafen.

Als Kinder wurden sie mit dem Fernsehfilm „Von zweien, die den Mond stehlen“ berühmt. Doch als Präsident und Premier haben Lech und Jaroslaw Kaczynski ganz Europa nur noch eines gestohlen: Zeit. Ihre Wahlschlappe vom Sonntag lässt hoffen, dass mit sinnlosen Blockaden, historischen Aufrechnungen und peinlichen Sonderwünschen aus Warschau endlich ein Ende ist. Nicht nur Brüssel, auch in vielen EU-Hauptstädten atmen die verantwortlichen Politiker nach dem Wahlsieg der rechtsliberalen Bürgerplattform erleichtert auf.

Positiv ist freilich nicht allein der Premier-Wechsel in Warschau. Positiv ist, dass in einem aufgeklärten Europa mit plumper Anti-EU-Linie, mit rückwärtsgewandtem Nationalismus und mit gesellschaftlicher Intoleranz nicht mehr so viel zu punkten ist, dass sich damit eine Wiederwahl ausgeht. Nun wird niemand von Polen erwarten, dass es plötzlich zum Motor der europäischen Integration wird. Aber es wird vielleicht wieder eine konstruktive Rolle spielen, wird statt schrulligen Kaczynski-Treuen wieder richtige Profis als Diplomaten in Verhandlungen schicken. Und es wird sich wieder auf die Durchsetzung von Interessen konzentrieren, die weniger emotional als schlicht nachvollziehbar sind. Statt Kriegstote hochzurechnen, wird Warschau – so ist zu hoffen – wieder jene Anliegen vorbringen, die legitim sind und dem Land helfen, seine an sich gute Entwicklung fortzusetzen. (Berichte: S. 1, 2)


wolfgang.boehm@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2007)

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