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Ungarn: Ausschreitungen am Jahrestag der Revolution

AP (BELA SZANDELSZKY)
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Parallel zu den offiziellen Feierlichkeiten kam es zu Demonstrationen mit rechtsradikalem Hintergrund. Bereits am Vorabend wurden bei Straßenkämpfen 19 Personen verletzt.

Anlässlich des Jahrestages des Ungarn-Aufstandes von 1956 ist am Dienstagvormittag mit militärischer Ehrenbezeugung die Fahne der Republik Ungarn vor dem Budapester Parlament gehisst worden. Der Platz, auf dem unter anderem Staatschef Laszlo Solyom und Regierungschef Ferenc Gyurcsany der Opfer des Aufstandes gegen das kommunistische Regime gedachten, wurde von der Polizei hermetisch abgeriegelt. Hinter den Absperrungen demonstrierten Regierungsgegner lautstark. Am Denkmal des hingerichteten Ministerpräsidenten von 1956, Imre Nagy, legte die Staats- und Regierungsspitze nach den Feierlichkeiten Kränze nieder. Auch hier wurden sie von Demonstranten gestört.

Antisemitische Gegenveranstaltung

Parallel zu der offiziellen Veranstaltung am Dienstag fand eine Anti-Regierungsdemonstration statt, die von antisemitischen Tönen gekennzeichnet war. Der als rechtsextrem geltende Geistliche Lorand Hegedüs erwähnte in seiner Rede, dass "Israel Ungarn bereits gekauft" habe. Ein weiterer Redner las aus einer antisemitischen Schrift aus der Zwischenkriegszeit vor. Unter anderem wurde die Forderung laut, dass man in einer "stillen Revolution" gegen die "fremde Interessen verteidigende Staatsführung" viele Kinder zeugen solle.

19 Verletzte am Vorabend

Bereits am Vorabend des Jahrestages war es - wie auch im Jahr zuvor - zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Es wurden 19 Menschen verletzt, darunter 14 Polizisten. Auf der nicht genehmigten Demonstration skandierten die rund 2000 Regierungsgegner und Rechtsradikalen "Gyurcsany verrecke": Der Regierungschef hatte vor rund einem Jahr zugegeben, dem Volk während des Wahlkampfes nicht nicht Wahrheit über die Situation des Landes gesagt zu haben. Die Demonstranten, unter ihnen viele alkoholisierte Jugendliche, zündeten Autos an, errichteten Straßensperren und bewarfen die Polizei mit Molotov-Cocktails. Die Polizei antwortete mit Tränengas und Wasserwerfern. Die Innenstadt musste großräumig abgeriegelt werden, der Straßenbahn- und U-Bahn-Verkehr teilweise eingestellt werden. Durch ein hohes Polizeiaufgebot und Hubschraubereinsatz konnte die Demonstration schließlich zerschlagen werden. Die Brutalität bei der Demostration ging hauptsächlich von der rechtsextremen Jugendbewegung "64 Komitate" aus. Unter den 20 Verhafteten befand sich der Chef der Bewegung, Laszlo Toroczkai.

Die rechtskonservative Oppositionspartei Fidesz (Ungarischer Bürgerverband) hat für Dienstagnachmittag eine Großkundgebung in Budapest angekündigt. Der ungarische Landespolizeichef Joszef Bencze betonte, dass die Absicherung dieser Kundgebung von besonderer Wichtig sei, da "gewisse Ordnungsstörer in Aktion treten könnten".

(APA/Red.)