Schnellauswahl

EU-Parlament entschärft Pestizid-Verbot

EPA

Umweltschutz. Die geforderte Reduzierung von Pflanzenschutz-Mitteln um 50 Prozent bis 2017 wurde niedergestimmt.

Brüssel/Wien (do/ag.). Das Exempel hätte drastischer nicht sein können: Chemiker entdeckten vor kurzem im hauseigenen Supermarkt des EU-Parlaments nicht weniger als 28 Pestizide in Obst und Gemüse – alle von ihnen langfristig schädlich für den Menschen.

Selbst dieses warnende Beispiel am geernteten Objekt konnte die EU-Parlamentarier aber nicht davon überzeugen, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft bis 2017 um die Hälfte reduziert werden sollte. In einer ersten Abstimmung lehnte das Plenum diesen Vorschlag am Dienstag ab.

Die Europaabgeordneten stimmten aber dafür, besonders gefährliche (krebserregende und erbgutschädigende) Wirkstoffe bis 2013 um 50 Prozent zu reduzieren (Referenzwert 2005). In der EU sind derzeit rund 600 Wirkstoffe für Pflanzenschutz auf dem Markt, 2006 wurden 225.000 Tonnen in der Landwirtschaft eingesetzt. Die private Nutzung ist dabei nicht mitgerechnet.

Das EU-Parlament erteilte auch dem Vorschlag der Europäischen Kommission eine Abfuhr, die Zulassung von Pestiziden in Zukunft nicht mehr als nationale Angelegenheit zu behandeln, sondern in Form von Zonen; einer nördlichen, einer mittleren und einer südlichen. „Es ist besser, weiterhin an der nationalen Zulassung festzuhalten“, sagte Karin Scheele, Leiterin der SP-Delegation im EU-Parlament.


Menge allein macht's nicht aus

Die ÖVP war hingegen zufrieden, dass sich Landwirte auch in Zukunft keinen Zwang beim Einsatz von Pestiziden antun müssen. EU-Abgeordneter Richard Seeber meinte, ein sturer Mengenansatz allein würde keinen Schub im Gesundheitsschutz bringen.

Der Abstimmung am Dienstag war ein heftiger Streit zwischen Umweltschützern, Bauern und Pharmakonzernen vorausgegangen. Dies zeigte sich auch darin, dass das Plenum über 306 Änderungsanträge abstimmen musste. Bis zum endgültigen Beschluss der Pestizid-Richtlinie wird es noch einige Zeit dauern, müssen sich doch auch noch Parlament und Mitgliedsländer einigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2007)