Vom ehrgeizigen Ziel einer gesteuerten, legalen Einwanderung in die EU wird wegen zu starker Fremdenfeindlichkeit wenig übrig bleiben.
Manches ist vernünftig, notwendig, sinnvoll und hat doch kaum Chancen auf Realisierung. Die Blue Card sollte ebenso wie die amerikanische Green Card in Europa ein Modell der legalen Zuwanderung schaffen. Das Prinzip wäre einfach: Wer gut ausgebildet, engagiert und aufgeschlossen ist, der sollte eine Eintrittskarte für den gesamten europäischen Arbeitsmarkt erhalten. Doch daraus wird wohl nichts.
Da in EU-Staaten wie Österreich die Zuwanderung nicht pragmatisch gesehen wird, sondern lediglich als Belastung, rudert die EU-Kommission bereits zurück. Von der Zugangsberechtigung zu einem riesigen Arbeitsmarkt ist kaum noch die Rede. Die Karte soll voraussichtlich nur für einen kurzen Zeitraum und außerdem nur für ein Land gelten. Wer soll da noch kommen?
Die Dominanz der Angst erlaubt es nicht zu differenzieren. Es scheint gleichgültig, dass Europa etwa in der Wissenschaft auch deshalb ins Hintertreffen gerät, weil es für internationale Experten keinen attraktiven Hafen bietet. Es scheint außer Belang, dass die europäische Wirtschaft hoch bezahlte, qualifizierte Zuwanderer für ihr Wachstum braucht. Wenn die Europäer von Migration redet, werden illegale Einwanderer, Kriminaltouristen, Flüchtlinge und legale Arbeitsmigranten einfach in einen Topf geworfen. Das ist nicht nur unmenschlich und ungerecht, sondern oft auch ökonomisch kurzsichtig. (Bericht: S. 4)
wolfgang.boehm@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2007)