Privatuni. Mit der Eröffnung der Modul-University am Kahlenberg will Wien das Zentrum der Tourismusforschung werden.
Wien. Der Kahlenberg war Dienstag Vormittag von dichtem Nebel eingehüllt. Im Festsaal der neuen Tourismusuniversität – mit 484 Meter Seehöhe Wiens höchstgelegene Uni – herrschte dagegen rosige Stimmung und Zukunftsoptimismus: Denn Wien soll mit dem neuen Uni-Projekt noch internationaler werden und sich zugleich als Zentrum der Tourismusausbildung- und Forschung etablieren. Spätestens in zehn Jahren soll die „Modul University“ eine der führenden Privatunis Europas sein – so jedenfalls die hochgesteckten Ziele.
Obwohl der Lehrbetrieb schon seit Anfang Oktober läuft, fand erst gestern, Dienstag, die offizielle Eröffnung statt – und dazu waren immerhin vierhundert Gäste gekommen, darunter Wissenschaftsminister Johannes Hahn (VP), Bürgermeister Michael Häupl (SP), Wirtschaftskammer Österreich-Chef Christoph Leitl und Wiens Kammerpräsidentin Brigitte Jank. Die Modul University – nicht zu verwechseln mit der Modul-Fachschule, die Köche und Kellner ausbildet – wird von der Wiener Wirtschaftskammer betrieben und großteils finanziert (fünf Millionen Euro; eine Million steuert die Stadt Wien bei.). Jank hob den Stellenwert der Uni gerade in einem Tourismusland wie Österreich hervor. „Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Weltweit arbeitet jeder 15 Arbeitnehmer in dieser Branche.“ Weiters will Jank mit einem Kahlenbergforum internationale Konferenzen und Tagungen nach Wien bringen und so zu einem „Alpbach des Tourismus“ machen.
Ganz ohne kleine Anfangsschwierigkeiten geht es aber nicht. Bis zu 150 Studenten hätten im ersten Jahrgang Platz gefunden, mit 80 Studierenden – die Hälfte aus Österreich, die andere Hälfte aus 22 weiteren Nationen – ist die Uni derzeit nur zu weniger als zwei Drittel ausgelastet. Einer der Gründe dafür ist dem Vernehmen nach, dass die offizielle Akkreditierung als Privatuni erst im Juli, also erst zwei Monate vor der Eröffnung erteilt wurde und man bis dahin offiziell noch keine Werbung betreiben durfte.
Angeboten wird derzeit das Studium Tourismusmanagement, das mit einem Bachelor abschließt. Dazu kommt ein 18 monatiger MBA Lehrgang mit der WU als Kooperationspartner. Ab kommendem Studienjahr wird zusätzlich ein MBA-Lehrgang für die öffentliche Verwaltung (Public Governance und Management) angeboten. Ein weiterer MBA in „New Media Technology“ wird vorbereitet. Insgesamt soll im Vollausbau Platz für 450 Studenten sein. Unterrichtssprache ist durchgehend Englisch.
Die Studiengebühr beträgt zwischen 25.000 Euro (Bachelor) und 28.000 Euro (Master). Der saudische Investor und Wienliebhaber Scheich Al Jaber, dem bereits das Grand Hotel gehört, wird Stipendien finanzieren – „für Studenten aus dem arabischen Raum aber auch für Österreicher“, wie er der „Presse“ erzählte.
Mit dem Modul hält Österreich bei elf Privatunis, eine weitere ist bereits akkreditiert, muss aber noch auf das Ok aus dem Ministerium warten. Kann man also von einem Boom bei Privatunis sprechen? Die Tendenz der Anträge ist jedenfalls steigend, heißt es aus dem Akkreditierungsrat. Doch im internationalen Vergleich gehört Österreich nicht zu den führenden Nationen – zumindest, was die Quantität betrifft.
In anderen europäischen Ländern gibt es weit mehr private Bildungsanbieter im Hochschulbereich. Dort werden Lizenzen freizügiger vergeben, die Qualität des Angebots wird erst im Nachhinein überprüft. In Österreich sind die Barrieren, eine Privatuni einzurichten, dagegen besonders hoch. Gerade einmal 14 Prozent der eingereichten Projekte wurden bisher positiv entschieden.
LEXIKON
Privatuniversitäten sind nichtstaatliche Bildungseinrichtungen, die Studiengänge mit anerkannten akademischen Graden führen dürfen.
Die Zulassung wird vom Akkreditierungsrat vergeben, der die Anträge auf Zulassung prüft. Nach fünf Jahren muss erneut um Akkreditierung angesucht werden.
Elf Privatunis gibt es derzeit in Österreich, die rund 4000 Studenten ausbilden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2007)