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Bawag-Prozess: Ex-Konsum-Chef Gerharter bekennt sich schuldig

(c) APA

Aller guten Dinge sind drei. Zweimal wurde der Ex-Konsum-General schon von Bawag-Richterin Bandion-Ortner verurteilt. Jetzt drohen Hermann Gerharter bis zu zehn Jahre Haft.

Zwei Mal schon stand Hermann Gerharter als Angeklagter vor Richterin Claudia Bandion-Ortner. Zwei Mal ging er als Verurteilter aus dem Gerichtssaal. Heute wird es nicht anders sein: Der frühere Konsum-General bekannte sich "schuldig" im Sinne der Anklage. Gerharter ist wegen Beihilfe zur Untreue durch Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner angeklagt.

Einmal fahrlässige und einmal betrügerische Krida stehen schon am Konto des ehemaligen Konsum-Chefs. Im Bawag-Prozess droht ihm daher eine härtere Strafe, sollte er verurteilt werden. Mögliche Höchststrafe für den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue: zehn Jahre Haft.

„Noch nie so viel Geld gesehen“

Die Aufmerksamkeit galt am heutigen Prozesstag im Wesentlichen einem großzügigen Geschenk, das der ehemalige Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner dem langjährigen Leiter des Mitte der neunziger Jahre in die Pleite geschlitterten Lebensmittel-Riesen Konsum wenige Wochen vor seiner Pensionierung gemacht haben soll. Nach Darstellung Gerharters wurde er am 12. März 2003 in Elsners Büro bestellt, wo dieser ihm rund 550.000 Euro in bar übergeben haben soll: "Ich sagte, ich will das nicht". Elsner habe ihm aber das Geld förmlich aufgedrängt. "Ich habe es scheu angesehen. Ich habe noch nie so viel Geld auf einem Haufen gesehen", schilderte Gerharter dem Gericht. Das Geld sei dann in eine Plastiktasche gestopft worden: "Die war prall gefüllt. Damit bin ich gegangen."

Die Summe entsprach in etwa jenem Kredit, um den Gerharter 2002 bei der Bawag angesucht hatte, nachdem er mit rechtskräftigem Gerichtsbeschluss zur Übernahme der Gerichts- und Sachverständigengebühren aus seinen beiden Strafverfahren in Folge der Konsum-Pleite verpflichtet worden war. Neben einer Geldstrafe von rund 13.000 Euro wurde Gerharter zur Zahlung des 45-fachen an Gerichtsgebühren und Sachverständigenkosten verurteilt, nämlich 580.000 Euro. Der Betrag wurde allerdings vom Gericht jahrelang nicht bei Gerharter eingefordert, seine dafür getätigte "Vorsorge" mittels des Bawag-Kredits ging also ins Leere. Erst sieben Jahre nach dem Verfahren, im Jänner 2007, erhielt Gerharter die Zahlungsaufforderung vom Gericht und überwies das Geld. Er sei immer zahlungsbereit gewesen, versicherte Gerharter heute.

Glattstellung des Kontos

Der an sich wohlhabende Gerharter - allein die Abfindung seiner Pensionsansprüche machte umgerechnet 1,235 Mio. Euro aus - wollte sein Privatvermögen im Hinblick auf seine "Alterssicherung" nicht antasten. Daran anschließend habe Elsner noch die "Glattstellung" seines Kontos bei einer Bawag-Filiale in Mödling in die Wege geleitet und einen schriftlichen Forderungsverzicht der Bawag veranlasst, berichtete Gerharter weiter. Er habe sich natürlich gefragt, "warum man so gut zu mir ist". Seine Erklärung: Elsner habe ihm schon 2002 versichert, man werde ihm, Gerharter, wegen der Prozesskosten "helfen". Wie der ehemalige Konsum-Boss angab, habe ihm Elsner versprochen: "Wenn du zahlen musst, spring ich ein!" Sein Eindruck sei gewesen, dass der gesamte Vorstand diese Vorgangsweise billigte und auch der ÖGB Bescheid wusste, so Gerharter.

Elsner reagierte auf diese Darstellung mit einem "Das ist ja lächerlich!". Wenn es das behauptete Geldgeschenk gegeben hätte, "dann hätte ich Senilität im Endstadium", so der Ex-Bawag-Generaldirektor. Gerharter belaste ihn zu Unrecht, "offenbar um seine Position zu erleichtern". Der Staatsanwalt beschuldigt Elsner in der Causa Gerharter der Untreue, der frühere Konsum-General sowie der ehemalige Bawag-Generalsekretär Peter Nakowitz, der sich ebenfalls "nicht schuldig" bekannte, wurden als Beitragstäter angeklagt.

Wenn Gerharters Version der Wahrheit entspräche, "dann würde ich mich selber verurteilen, und zwar strafrechtlich und zivilrechtlich", sagte Elsner. Im Fall einer Geldübergabe hätte sich Gerharter außerdem im Sekretariat anzumelden gehabt: "Da kann er ja nicht plötzlich vor der Tür stehen und sagen 'Ich hätt' gern a Geld!'. So geht's ja nicht!" Fazit Elsners: "Da stimmt ja alles hinten und vorn nicht!"

Alles sehr elend

In Bezug auf die "Kontobereinigung", die die Bawag zunächst zusätzliche 130.000 Euro kostete - Gerharter hatte erst Anfang 2007 nach Bekanntwerden der inkriminierten Vorgänge der Bank insgesamt 707.000 Euro zurückbezahlt - , sowie den Forderungsverzicht, räumte Elsner ein, dies intern "empfohlen" zu haben. Er habe "die Abschreibung befürwortet". Grund: Gerharter habe sich bei ihm über seine verschlechterte persönliche Situation beklagt: "Er hat mir erzählt, er sei in Scheidung, hat kein Vermögen, kann nicht mehr. Er hat das alles sehr elend geschildert, und dieses Elend wollte ich nicht vergrößern."

Mit der Genehmigung des Forderungsverzichts - Ausgangsbasis dafür war ein Schriftstück mit dem Vermerk "Ja, Elsner" - habe er nichts mehr zu tun gehabt, stellte Elsner fest: "Da war ich schon in Pension." Gerharter hatte - als die Bawag von ihren Ansprüchen gegen den früheren Konsum-General Abstand nahm - bei derselben Bank übrigens Vermögen von über 900.000 Euro in Form von Sparbüchern und Wertpapieren veranlagt. Elsner betonte, das nicht gewusst zu haben. Wenn dem so sei und Gerharter trotzdem die "Abschreibung" in Anspruch genommen habe, "ist das seine Schuld und nicht meine", schloss Elsner.

Anklage gegen Nakowitz ausgedehnt

Gerharter gab nach Elsners Einvernahme wörtlich zu Prokoll: "Ich wundere mich, Kollege Elsner, dass man solche Lügen auftischen kann!" Er hatte dessen Ausführungen mit Kopfschütteln und teils offensichtlicher Fassungslosigkeit verfolgt.

Am Nachmittag wurden mehrere Bawag-Mitarbeiter als Zeugen befragt, die angaben, sie hätten lediglich die Anweisungen zur Glattstellung von Gerharters Konten ausgeführt und nicht nachgefragt. Richterin Claudia Bandion-Ortner will dazu noch weitere Zeugen befragen, darunter Kassiere in den betreffenden Bawag-Filialen Tuchlauben und Mödling sowie die damaligen Sekretärinnen von Elsner. Daher wird das Beweisverfahren gegen Gerharter, Elsner und Nakowitz fortgesetzt und weitere Zeugen geladen. Ein neuer Verhandlungstermin für Gerharter ist noch nicht fixiert. Staatsanwalt Georg Krakow dehnte zum Abschluss der heutigen Verhandlung die Anklage gegen Nakowitz aus, ihm wird nun u.a. vorgeworfen, er habe Bawag-Angestellte angewiesen, Mahnungen betreffend Gerharters Kredit zu unterlassen. (APA)