Russland fusioniert Staatsreedereien

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Schifffahrt. Russlands Präsident Wladmir Putin bündelt den Erdöltransport per Schiff in ein staatliches Unternehmen. Das Sagen haben dort Vertraute von ihm.

Moskau. Russland steht kurz vor der Fusion der Staatsreedereien Sovcomflot und Novoship zu einer der größten Tankerflotten der Welt. Wirtschaftsprüfer von 2K Audit-Business Consulting und der Investmentbank Morgan Stanley schlossen die Bewertung der Aktiva ab. Demnach weist Sovcomflot eine Kapitalisierung von 46,78 Mrd. Rubel (1,32 Mrd. Euro) auf, Novoship von 36,7 Mrd. Rubel.

Wie die Moskauer Internetzeitung „gazeta.ru“ berichtet, soll der neue Staatskonzern, der Sovcomflot heißt, bis Ende des Jahres in St. Petersburg registriert sein. Danach sollen im Zuge eines Börsengangs bis zu 20 Prozent der Aktien emittiert werden. Beobachter gehen davon aus, dass Sovcomflot die Moskauer Börse wählt, eine Notierung könnte jedoch auch parallel in London erfolgen.

Weisung von Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte im Juni per Ukas die Fusion der Reedereien beschlossen, die sich vor allem auf Erdöltransport spezialisiert haben. Russland ist der zweitgrößte Erdölproduzent und Erdölexporteur der Welt.

„Im Zusammenhang mit der Konsolidierung dieser beiden Unternehmen entsteht ein Transportkonzern, der sich mit Fug und Recht zu den fünf größten Tankerunternehmen der Welt zählen kann“, sagte Sergej Frank, Generaldirektor von Sovcomflot. Sovcomflot-Aufsichtsratschef Igor Schuwalow – er ist im Hauptberuf „Sherpa“ für Putin bei den G-8-Treffen – rechnet damit, dass die Fusion bis Dezember komplett abgeschlossen sein wird. Der neue Reeder-Konzern verfügt nach Angaben der beiden Reedereien über 109 Schiffe.

Novoship ist auf den Öltransport spezialisiert und erzielte mit 56 Schiffen im ersten Halbjahr einen Umsatz von 317 Mio. Dollar (Vorjahreszeitraum: 260 Mio. Dollar) und einen Nettogewinn von 138 Mio. Dollar (96 Mio. Dollar). Sovcomflot, 1995 auf der Basis der Aktiengesellschaft „Moderne Handelsflotte“ gegründet, ist mit seinen 53 Schiffen auf den Seetransport von Öl und Ölprodukten spezialisiert, dringt aber vermehrt auch auf den lukrativen Markt des Transports von verflüssigtem Erdgas vor. Sovcomflot gilt bislang als wenig professionell gemanagt. Der Rechnungshof hatte erst im Mai moniert, dass Sovcomflot durch eine Reihe unvorteilhafter Geschäfte Gewinne in Höhe von 314 Mio. Dollar entgangen waren.

Analysten sind nicht euphorisch

So zweifeln Analysten, ob denn aus der Fusion wirklich ein effizient arbeitender Transportkonzern entstehen kann. „Nur wenn man die große Flotte von Sovcomflot mit dem talentierten Management von Novoship zusammentut, kann man wirklich einen maximalen Synergieeffekt erzielen“, sagt Maxim Isajew von RM&G Sec. „Einen solchen staatlichen Giganten zu führen, dürfte nicht einfach sein“, sagte der Analyst Eduard Faritow von Renaissance Capital. „Hier muss man abwägen zwischen den Vorteilen der schieren Größe und den Nachteilen einer problematischen Bürokratie.“

Das Management von Sovcomflot schmiedet, noch ist nicht einmal die Fusion vollzogen, schon weiter reichende Pläne. Konzern-Chef Sergej Frank, der früher den Posten des Transportministers innehatte, schließt nun für 2009 Übernahmen ausländischer Reedereien nicht aus.

Der Schritt, die Staatsreedereien zusammenzuführen, passt zur Wirtschaftsdoktrin Putins, der staatliche Holdings gründen lässt, die ganze Wirtschaftszweige beherrschen. Das gilt mit Gazprom für den Erdgassektor, mit der United Aircraft Corporation für die Flugzeugbauindustrie, der Vereinigten Schiffbaukompanie und nun auch für den Transportsektor. Bei den Holdings haben in der Regel Vertraute Putins das Sagen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.10.2007)

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