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Wien: Hauptstadt der Banküberfälle

(c) APA
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Kriminalität. Wien steht im Vergleich zu anderen europäischen Städten nicht schlecht da – mit einer Ausnahme.

WIEN. Wie schlägt sich Wien in Bezug auf Gesamtkriminalität, Banküberfälle und Mordfälle im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Städten ähnlicher Größe? Sehr gut bis durchschnittlich, vergleicht man Wien (1,67 Millionen Einwohner) mit Städten wie Hamburg (1,76 Mio.), München (1,34 Mio. Einwohner), Budapest (1,70 Mio.) oder Prag (1,19 Mio. Einwohner).

In Wien beträgt die Gesamtzahl der angezeigten Fälle 218.615 für das Jahr 2006. Berechnet man hier die Häufigkeitszahl (HZ), also die polizeilich registrierten Delikte innerhalb eines bestimmten Zeitraumes in Relation zu 100.000 Einwohnern, ergibt sich die Zahl 13.090. In deutschen Kriminalstatistiken wird in Vergleichen meist mit der HZ argumentiert. In Österreich hingegen wird immer wieder betont, ein Vergleich mit Deutschland sei in der Beurteilung der Gesamtkriminalität insofern nicht ganz zulässig, da der Deliktskatalog nicht ganz übereinstimme, heißt es im heimischen Bundeskriminalamt.

Dennoch steht Wien im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten gut da: In Hamburg registrierte die Polizei 2006 exakt 236.547 Straftaten, daraus ergibt sich eine HZ von 13.440. In München wurden im vergangenen Jahr laut deutscher Kriminalstatistik 111.622 Straftaten angezeigt. Die HZ für München beträgt somit 8330. Die bayrische Landeshauptstadt gilt als sicherste Großstadt Deutschlands. Im Gegensatz zu Düsseldorf (ca. 575.000 Einwohner), wo die HZ für das Jahr 2006 exakt 15.181 beträgt. Damit übertrifft die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt noch Berlin, die eine HZ von 14.632 aufweist.

Im Deliktsbereich Überfälle auf Banken und Postämter steuert Wien allerdings auch heuer wieder auf einen neuen Rekord zu. Am vergangenen Mittwoch (an diesem Tag gab es gleich zwei Überfälle innerhalb weniger Stunden) wurden Bankraub Nummer 60 und 61 registriert. 68 waren es im gesamten vergangenen Jahr.

Eine ähnlich hohe Anzahl an Überfällen auf Geldinstitute wie in Wien gibt es in Prag. In der Zeit von 1. Jänner bis 31. Juli 2007 wurden in der tschechischen Hauptstadt 42 Banken überfallen. In Wien waren es in diesem Zeitraum exakt 45.


Bankraub: In Deutschland fast unbekannt

In deutschen Großstädten kommen Banküberfälle hingegen nur selten vor. Sie werden in den meisten Kriminalstatistiken großer deutscher Städte daher auch gar nicht gesondert aufgelistet. In der Millionenstadt Hamburg wird statistisch betrachtet nur ein Mal im Monat ein Geldinstitut überfallen: Die Kriminalpolizei in der Hansestadt musste 2006 „nur“ zu zwölf Bank- und Postamtsüberfällen ausrücken.

Bei den Tötungsdelikten sieht es für Wien besser aus. Im gesamten Jahr 2006 musste sich die Wiener Kripo mit 19 Mordfällen beschäftigen, bei den meisten handelt es sich um Taten im familiären Umfeld. Berechnet man hier die HZ, ergibt sich die Zahl 1,13. Damit spielt Wien in einer Liga mit Hamburg, wo die HZ für Tötungsdelikte (20 im Jahr 2006) ebenfalls 1,13 beträgt. Besser schneidet hingegen wieder die bayrische Landeshauptstadt München mit einer HZ von 0,74 ab. Mit 31 Mordfällen in der ungarischen Hauptstadt Budapest im Jahr 2006 ergibt sich dort eine HZ von 1,82. Schlechter steht Köln da, wo sich für eine Einwohnerzahl von 990.000 die HZ von 2,12 ergibt. In der Stadt am Rhein gab es im vergangenen Jahr 21 Tötungsdelikte.

Die deutsche Hauptstadt Berlin mit 3,4 Millionen Einwohnern weist eine HZ von 1,47 auf. Die dortige Kriminalpolizei wurde im Jahr 2006 zu genau 50 vollendeten Tötungsdelikten gerufen.


Taschendiebstähle: Wien top

Im Deliktsbereich Taschendiebstähle an öffentlichen Orten (unter anderem in U-Bahnen) wurden in Prag in den ersten sieben Monaten 2007 exakt 5437 Fälle angezeigt, in Wien waren es mehr als doppelt so viele, nämlich 13.504. Im gesamten Jahr 2006 wurden in Köln allerdings „nur“ 9477 Taschendiebstähle registriert, in der 3,4 Millionen Einwohner Metropole Berlin 15.850.

 

Am Montag in der „Presse“: Kriminalsoziologe Wolfgang Stangl über Wiens innere Sicherheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2007)