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„Lissi und der wilde Kaiser“: Eine schmerzhafte Reanimation

(c) herbX Film
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Michael Herbig hat den Sissi-Mythos parodiert – bei seinem Trickfilm bleibt uns nichts erspart.

Über die Sissi-Filme aus den Fünfzigerjahren mit der herzigen Romy Schneider hat sich der deutsche Regisseur Michael Herbig bereits ausführlich in seiner Fernsehserie „Bullyparade“ lustig gemacht. Die flachen Sketches waren wegen ihrer Kürze gerade noch erträglich.

Nun aber ziehen sich die Albernheiten in „Bully“ Herbigs neuem Spielfilm, an dem drei Jahre gearbeitet wurde, über 85 Minuten. Das ist an sich schon grausam. Aber die Komikertruppe, die mit dem putzigen „Schuh des Manitu“ einen der kommerziell erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt erzeugt hat, schont sich diesmal auch sonst nicht; Stefan Raab hat die Songs beigesteuert, und er bringt genau das, was man von ihm erwartet. Das ist schmerzhaft.

Am schlimmsten aber bei dieser Plagerei: „Lissi und der wilde Kaiser“ ist ein Animationsfilm in 3D-Tricktechnik. Das wird gnadenlos. Denn Comics lügen nicht. Weniger stört, dass diese Sketchparade in den Effekten bei weitem nicht an heutige Hollywood-Produkte wie jene von Pixar heranreicht (das gibt ihm sogar einen gewissen Sissi-Charme), sondern dass gerade der Trickfilm enthüllt, wie simpel die Bruhaha-Effekte von Herbig gestrickt sind. Seine Gags ohne die sympathischen Gesichter der Komiker bleiben lau.


Vertrottelter Hof

Denn gegen dieses Machwerk sind Witze von Mike Krüger funkelnde Essays, und Otto ist ein Gott der Ironie. Die Comic-Version der alten „Bullyparade“ mit ihrer penetranten Humor-Vernichtung signalisiert andauernd: Diese Form ist viel zu anspruchsvoll für Lissi, da mögen sich Herbig in der Mehrfach-Sprechrolle als vertrottelte Kaiserin, vertrottelter Haushofmeister und authentischer Gebirgsjäger, Christian Tamitz als authentischer Kaiser Franzl und Rick Kavanian als vertrottelter König Bussi von Bayern, vertrottelter Feldmarschall und authentischer zweiter Gebirgsjäger noch so sehr um Lacher bemühen – es bleibt verkrampft. Dieser Film ist ein ranziger Kaiserschmarrn. In keiner Sequenz reicht er auch nur im Ansatz an amerikanische oder gar britische Massenware heran.


Schöngrün und Neuzahnstein

Die Handlung: Ein Yeti im Himalaja soll für den Teufel die schönste Frau der Welt rauben, um sein Leben zu retten. Er findet ausgerechnet in Wien eine weibliche Figur. Sie trägt entfernt Herbigs Gesichtszüge. Der Yeti entführt diese Kaiserin namens Lissi von Schöngrün (haha!) ins bayerische Märchenschloss Neuzahnstein. Dort kommt es zum Showdown.

Eine hinterlistige Szene gibt es allerdings: König Bussi, vollbärtig und düster, eine Karikatur des unglücklichen Ludwig, hat Zahnschmerzen. Er rudert auf den See hinaus und hadert mit Gott. Soll er seinem Leben ein Ende machen? Gott schweigt, Bussi brütet vor sich hin. Man wünschte da längst, aus dem Himmel töne ein endgültiges „Finis“. Doch der Film leistet sich dann tatsächlich ein Happy Ending. Das ist unverzeihlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2007)