In der staatsnahen Wirtschaft wird für freiwilliges Fernbleiben gut gezahlt.
Im Sommer 2002 nahm die Karriere des Reinhard Gaugg ein jähes Ende: Der BZÖ-Politiker und designierte Krankenkassenchef wurde zu nächtlicher Stunde von einer Polizeistreife in Klagenfurt betrunken buchstäblich aus dem Verkehr gezogen. Peinlich für ihn. Und peinlich für die damalige kleine Regierungspartei. Gaugg musste also weg. Freiwillig ging er nicht. Also musste man nachhelfen: 10.000 Euro pro Monat bar aufs Handerl aus der Parteikasse. Bis zum 60. Lebensjahr oder so lange, bis ein adäquater Job gefunden ist. Das ist der bisher wohl unverfrorenste Fall eines „Golden Handshake“ im Land.
Und davon gibt es nicht wenige. Das System hat eben Tradition. In vielen Bereichen geht es auch gar nicht anders: Top-Manager werden auf fünf Jahre bestellt und können nicht einfach gekündigt werden. Wenn der in Ungnade gefallene CEO nicht gerade silberne Löffel gestohlen hat, ist der Vertrag zu erfüllen. Oder eben auszuzahlen.
Ein teurer Spaß, der vor allem im staatsnahen Bereich beliebt ist. Legislaturperioden decken sich eben nur selten mit laufenden Fünfjahresverträgen, was das „Umfärben“ erschwert. Derzeit lässt sich das gut in der Straßenbaugesellschaft Asfinag verfolgen (siehe Seite 1). Das Umfeld des Infrastrukturministeriums scheint überhaupt ein Dorado für das goldene Händeschütteln zu sein: Erst jüngst hat die SPÖ-nahe ÖBB-Vorstandsdirektorin Wilhelmine Goldmann wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem Oberboss den Hut genommen – für eine runde Dreiviertelmillion Euro. Der Vorgänger des jetzigen ÖBB-Chefs, Rüdiger vorm Walde, war mit einem Trostpaket von 1,2 Millionen Euro vorzeitig nach Deutschland zurück geschickt worden.
Und weil es so gut funktioniert, hat die Methode die Vorstandsetage längst verlassen. Das Angebot der AUA für ihre Piloten (auf den Abfertigungsanspruch von bis zu 39 Monatsgehältern wurden noch elf Monatsgagen draufgelegt, so konnten lang gediente Piloten bis zu 650.000 Euro einsacken) war sogar so gut, dass weit mehr Piloten als erwartet von dem Angebot Gebrauch machten. Beachtlich auch die Offerte mancher Banken, die ihren Mitarbeitern dafür, dass sie freiwillig nicht mehr am Arbeitsplatz erscheinen, im Extremfall ab dem 50ten Lebensjahr bis zur Pensionierung einen Teil der Gage weiterzahlen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2007)