Ausstellung: Original Wiener Free-Style-Moderne

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Padhi Frieberger glänzt „Im Focus“ des MAK. Ein neues Buch zeigt weniger überzeugende „Mail Art“.

Großer Auftritt des Künstlers, gebrechlich, aber noch scharfzüngig, alles staunt, der Mythos lebt – denn „damit habe nun wirklich niemand rechnen können“, so MAK-Direktor Peter Noever. Wohl ohne den für Padhi Frieberger bereits vor der Pressekonferenz mit Namensschild bereitgestellten Drehsessel gesehen zu haben. Aber egal, das Erscheinen war von greifbarer Sentimentalität durchdrungen und ein Dutzend Fotoapparate richtete sich gierig auf diese Ikone der österreichischen Kunstszene nach 1945, die wohl am schwersten fass- und nachvollziehbare.

Denn Frieberger, 1929 in Niederösterreich geboren, definiert sich seit den späten 40er-Jahren radikal als „Protagonist“ (nicht Außenseiter!) und „Verweigerer“ der Kunstszene. Was allerdings auch dazu geführt hat, dass heute recht wenig bekannt ist von diesem Prä-Hippie, der von 1958 bis 1978 im verfallenden Schloss Hagenberg lebte, Tauben züchtete, „Mail Art“ verschickte und genial-assoziative Material-Türme zusammenzimmerte. Ganz nach dem stolzen Motto: „Hier arbeitet ein Genie – und keiner merkts“, wie man es auf einem Foto auf einem Schild lesen kann, neben dem sich Frieberger ganz in roter Montur aufgestellt hat.

„Take it easy“, Österreich!

Mit der Ausstellung „Keine Kunst ohne Künstler“ stellt das MAK jetzt den Teil von Friebergers Gesamtkunstwerk vor, der am besten musealisiert werden kann – und lustiger Weise auch am besten ist: Die (allerdings nur im Ausland) von Dada vorbereiteten Materialbilder und Objekte aus Alltagsdingen, zugespitzt zu meist scharf pointierten, assoziativen Türmen und Haufen. Nichts ist hier für ewig, alles fließt – „Take it easy“ steht lapidar auf Rotweißrot; ein Pferdchen muss „Scheiß-Brauner Lipizzaner...“ ertragen und wird durch „die Kunst ist ein durchgehendes Rosz“ getröstet; und über allem weht die „Persiflagge“. Große Wiener Free-Style-Moderne, unterfüttert von einem unausblendbaren Hippie-Out-Law-Mythos.

Mit 14 bei einem Bombardement verschüttet, überlebte er drei Tage unter einem Tisch, spielte später Jazz im Strohkoffer unter der Loos-Bar, war ein Hippie, bevor es Hippies gab, ein Grüner, bevor es Grüne gab – und natürlich auch ein Aktionist, bevor es die Wiener Aktionisten gab. Schreibt jedenfalls Anwalt Nikolaus Lehner, der gerade die ihm von Frieberger in den 90ern zugesandte „Mail Art“ im Buch „Niko meets Padhi“ veröffentlichte.

Immerhin eine Publikation mehr über Frieberger, wenn auch diese Bild-Text-Collagen im Vergleich zu den Objekten weniger überzeugen: Tagespolitisches und Kunstaktuelles wird hier oft recht banal verwurstet. Zur FPÖ etwa fiel ihm nur wenig mehr ein als „Und Tschüss“ oder „Frei(haid)lich“, auf einer die Todesstrafe kritisierenden Karte röchelt eine Mumie per Sprechblase „Denkt darüber nach“. Interessanter, wenn auch ziemlich österreichisch-wadelbeißerisch, ist da eine Karte, auf der Frieberger die Kostenaufstellung einer Erwin-Wurm-Ausstellung in der Secession 1991 (408.000 ÖS) abdruckt, zu den „Wahnsinnspreisen“ gratuliert und konstatiert: „Wurm-Pleite“.

MAK-Ausstellung bis 30.3. Buch „Niko meets Padhi“, Verlag Der Apfel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2007)

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