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Vatikan: Fast 500 spanische Franco-Anhänger selig gesprochen

Tausende Gläubige bei umstrittener Seligsprechung

VATIKAN/MADRID(rs). „6832 Geistliche wurden ermordet“, berichtet Julian Casanova, spanischer Geschichtsprofessor. „Ein beträchtlicher Teil der Kirchen, Kapellen und heiligen Stätten wurden angezündet oder geplündert.“ Das ist die fürchterliche Bilanz einer Gewaltexplosion linker Milizen gegen die katholische Kirche während des spanischen Bürgerkrieges (1936–1939). Priester, Nonnen, Mönche und Theologiestudenten, gegen die sich tödlicher Hass entlud, weil die katholische Kirche den Putsch von General Franco gegen die demokratisch gewählte Republik unterstützte.

Insgesamt 498 dieser hingerichteten Geistlichen wurden am Sonntag von Papst Benedikt XVI. im Vatikan selig gesprochen. Es war die größte Massen-Seligsprechung der Geschichte, zu der Tausende Gläubige und gleich 71 Bischöfe aus Spanien anreisten.


Einseitige Ehrung

Die päpstliche Seligsprechung hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Es wurden nämlich nur jene geehrt, die von den Republikanern getötet wurden. Dabei haben auch Franco-Todeskommandos Jagd auf einige oppositionelle Priester gemacht, die etwa im Baskenland auf der Seite der Linken standen. Ganz zu schweigen von jenen über 100.000 Franco-Gegnern, die während des Bürgerkriegs und kurz danach hingerichtet wurden. Über diese Untaten verliert Spaniens Kirche bis heute kein Wort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.10.2007)