Regatta. Knapper hätten die Entscheidungen nicht fallen können. Von zehn Metern Vorsprung, Punktegleichheit und Jury-Entscheidungen.
Die Anspannung vor der zweiten Wettfahrt war unübersehbar: Jedes Team wollte ein perfektes Ergebnis einstreifen und aus dem Schwachwindtag das beste machen. Als sich dann die Spinnaker-Segler auch noch mit einem Winddreher unmittelbar vor dem Start auseinandersetzen mussten, gingen ihnen die Boote durch – was zu allgemeinem Rückruf führte.
Die zweite Wettfahrt der Fahrtenyachten mit Spinnaker hätte dann aber nicht dramatischer verlaufen können: Hatte sich Dienstag Helmut Mayr (Textilservice Brolli) vor Ferdinand Lang (Burisch Elektronik Bauteile) durchgesetzt, beendeten die beiden Boote den einzigen Mittwoch-Durchgang ihn umgekehrter Reihenfolge: Für die Gesamtwertung bedeutete das Punktegleichstand, der zugunsten des Siegers der zweiten Wettfahrt aufgelöst wurde. Ferdinand Lang strahlte: Immerhin hatte sein aus Mitarbeitern und Freunden bunt zusammen gewürfeltes, elf-köpfiges Team auf der X50 nur einen einzigen Tag gemeinsam trainiert. „Aber wir haben schon vorher gewusst, wir haben Sieger-Potenzial“, meinte Lang. Nicht zu Unrecht.
Zehn entscheidende Meter
einahe ebenso knapp ging es in der Prestige-trächtigen Einheitsklasse der Salona 37 zu. „Die letzten zehn Meter haben entschieden“, meinte Christian Tiringer von der Cesky-Crew. Probleme mit dem Spinnaker bei der letzten Wendeboje zerstörten den Traum, vom Sieg in der Einheitsklasse Salona. Ganz mit den eigenen Problemen beschäftigt, mussten sie Wolfgang Rakuschan im „Presse“-Boot passieren lassen, der den Wettfahrtsieg vor der Cesky-Crew holte. Nutznießer dieses Manövers war Thomas Stelzl, der als Tages-Dritter zum Gesamtsieg shipperte. Allerdings nur mit einem Punkt Vorsprung auf Cesky: Eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, denn im Vorjahr hatte Stelzl punktegleich mit Impala Yachts mit Rang 2 Vorlieb nehmen müssen. „Seit 14 Jahren fahren wir in der Star- und Drachenboot-Klasse“, sagt Günther „Spez“ Lux, der Cousin von Thomas Stelzl. Die Erfahrung aus diesen Klassen sei unbezahlbar, weil „es in Regatten keine Situationen gibt, die du nicht schon erlebt hast“. Für Stelzls Crew war es der nächste Erfolg beim Business Cup: Zweimal hatte sie die Klasse ohne Spinnaker gewonnen, der Sieg in der Salona-Klasse ist ihr dritter Streich.
„Eine Ehre für mich“
Die Klasse ohne Spinnaker erlebte so etwas wie eine Palastrevolution: Nicht Seriensieger Hubert Raudaschl setzte sich in diesem Jahr durch, sondern Ulrich Schröders Lewmar-Team mit Denise Tiringer am Steuer. Raudaschl aber war einer der ersten Gratulanten – von Olympiastarter zu Olympiastarterin. „Für mich ist es eine große Ehre“, meinte Tiringer mit strahlendem Lächeln. „Dabei sind wir bei mehr Wind eigentlich stärker“, gab sie das Lob an ihre Trimmer weiter: „Die haben sich im Vergleich zum Vorjahr stark verbessert.“
Dem Schröder-Boot genügte nach dem Sieg bei der ersten Wettfahrt der zweite Rang hinter dem Alpine-Bau-Boot Raudaschls.
Diebische Freude
In der Gesamtwertung wurden die vier Männer um Andreas Neuner vom Casino Seefeld auf ihrer First 36.7 Dritte und freuten sich schon vor der Siegerehrung diebisch, Anton Schmalzbauer vom Diskont-Marin Werkhof geschlagen zu haben. Schmalzbauer, der Neuner im Sommer „zufällig“ bei Trainingsfahrten im Presse-Business-Cup-Revier getroffen hatte, jubelte dennoch: Er gewann die Gesamtwertung der BMW Austria Race Trophy.
Die Entscheidung bei den Racern ließ am längsten auf sich warten. Christian Bayers Riedl Consulting-Team auf der IMS 500 segelte zwar als Erster über die Ziellinie, die Entscheidung um den Tages- und Gesamtsieg fiel aber zwischen den beiden Grand Soleil 42 R, dem Yacht Club Bohemia mit Richard Vojta und Vorjahressieger BMW Austria mit René Mangold.
Protest erfolglos
Die tschechische Crew war links gestartet und war besser weggekommen, die Österreicher hingegen segelten zu weit unter Land und lagen bald deutlich zurück. Auf der dritten Kreuz war Mangolds Crew zwar bis auf vier Bootslängen herangekommen, ehe sie eine Berührung der Tonne durch Vojtas Boot gesehen haben wollte: Dem Protest Mangolds aber wurde nicht stattgegeben, Vojta mit sechs Sekunden Vorsprung auf Mangold gewertet. Und auch als Gesamtsieger bei den Yachten mit Spinnaker.
Erstmals seit Jahren konnte heuer also keine Crew den Vorjahressieg verteidigen – ein Beweis für das starke Teilnehmerfeld.