Elektronik. Die Gewinne sind stark gestiegen – nur die Playstation 3 ist eine blutende Wunde.
Tokio. Sony verdient wieder richtig Geld. Der zweitgrößte Elektronikkonzern der Welt meldete für das abgelaufene Quartal einen Nettogewinn von rund 450 Mio. Euro – mehr als 40mal so viel wie zwischen Juli und September 2006. Das sensationelle Comeback wäre noch beeindruckender, würde nicht die Playstation PS3 weiter riesige Verluste einspielen.
Sony meldet sich aber erst einmal zurück in die Spitze. „Back to the Top“, nennt das Präsident Ryoji Chubachi in Tokio. Diese Performance hat die meisten Analysten in Tokio überrascht, die nun für Japans Nobelkonzern wieder den Daumen heben. „Bei allen Risiken ist Sony eine bemerkenswerte Auferstehung gelungen“, konstatiert Yasuo Nakane von der Deutschen Bank in Tokio. „Wir gehen davon aus, dass der Konzern in den kommenden Jahren schneller als die Konkurrenz wachsen wird.“ Für den Elektronikmann Chubachi ist die Wende in die schwarzen Zahlen ein Achtungserfolg, mehr nicht. „Das Ziel unserer Reformen heißt weiter klar: Generell zurück an die Weltspitze.“
Der Software sei Dank. Im Filmgeschäft kletterte der Ertrag um 13 Prozent – maßgeblich wegen der Popularität von Spider-Man. Erstmals verdient auch das eigentliche Kerngeschäft, die zuletzt viel gescholtene und arg gebeutelte Elektroniksparte, die drei Viertel der Umsätze ausmacht, wieder Geld.
„Wir haben bittere und sehr schmerzhafte Erfahrungen durchmachen müssen“, räumt Chubachi ein. „Am schlimmsten jedoch war der Personalabbau.“ Sony entließ 10.000 der insgesamt 160.000 Mitarbeiter, schloss elf von 65 Fabriken. Die Konzernführung trennte sich von unrentablen Geschäftsfeldern, lagerte Handels- und Restauranttöchter aus.
Produktpalette ausgemistet
Die über 3000 verschiedenen Produkte wurden auf den Prüfstand gehoben und neu bewertet. Dabei strich das Management jedes fünfte Erzeugnis aus der Palette. „Es gibt in Japan zwar eine nobel gemeinte Tradition, unprofitable Geschäfte am Leben zu erhalten“, klagte der neue Sony-Chef Howard Stringer unlängst gegenüber ausländischen Journalisten in Tokio. „Aber die Investoren sind da nicht so geduldig.“ Und Sony ist immerhin zu 51 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre.
Sony verdient vor allem mit digitalen Foto- und Videokameras sowie Vaio-Notebooks kräftig Geld. Selbst im umkämpften und von Preiskämpfen geschüttelten Flachbildschirm-Sektor melden die Tokioter robuste Absätze seiner Bravia-Geräte, obwohl diese teurer als die Konkurrenz sind. Stringer hat Recht behalten: „Wir werden Sony von bloßer Genesung auf profitables Wachstum umschalten“, versprach der in New York residierende Firmenchef walisischer Abstammung Ende Juni den 6000 teilweise noch skeptischen Aktionären auf der Hauptversammlung in Tokio. „Sony hat die Wende definitiv geschafft“, urteilt Koya Tabata von Credit Suisse in Tokio. „Im Elektronikbereich sehe ich einen operativen Gewinn von sechs Prozent in diesem Jahr.“
Die Wende kommt von innen. „Sony United“, heißt die amerikanisierte Devise des Konzernbosses. Am Anfang haben die meisten Sony-Leute in Tokio über ihr Firmen-T-Shirt mit diesem Aufdruck gelächelt, jetzt gilt es als Sammler-Rarität. Der lange umstrittene Firmenchef Howard Stringer, der seit Juni 2005 als erster Ausländer Nippons Vorzeigekonzern leitet, hat seinen Managern Manschettenknöpfe mit diesem Logo geschenkt – zum täglichen Anlegen.
Der von Königin Elisabeth II. geadelte Ritter, galt nach seiner Ernennung eher als Edeltourist – als Luftmanager, der mehr Zeit im Flugzeug als am Tokioter Stammsitz verbringt. Inzwischen ist die öffentliche Kritik verstummt. Probleme bereiten allerdings noch immer die Playstation-Konsolen.
Preise für Playstation gesenkt
Deren unendliche Geschichte mit peinlichen Verschiebungen, technischen Problemen, Engpässen und Preissenkungen lastet auf der Sony-Bilanz. „Die Playstation ist unser wichtigstes Produkt“, betont Stringer zwar ständig, aber die Realität spielt dabei nicht mit. Trotz einer Preissenkung in den USA um 100 Dollar und in Europa um knapp 100 Euro verkauft der nationale Rivale Nintendo seine Wii-Konsole fast fünfmal mehr. Dabei gibt Sony seine PS3 noch immer unterhalb der Herstellungskosten zu strategischen Preisen ab. Dennoch ist die Gewinnzone nicht in Sicht.
AUF EINEN BLICK
Sony hat mit einem beinharten Sanierungspaket die Rückkehr an die Weltspitze geschafft. Jedes fünfte Produkt wurde aus den Regalen genommen, 10.000 von 160.000 Stellen wurden gestrichen.
Für das abgelaufene Quartal meldete Sony 450 Mio. Euro Gewinn. Das ist mehr als 40mal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2007)