Rund um die Feiertage eröffnen die beiden wichtigsten Wiener Antiquitäten-Messen in Hofburg, Palais Ferstel und Palais Niederösterreich.
Wiens Kunstsammler stehen heuer zu Allerheiligen und Allerseelen alles andere als besinnliche Zeiten in den Salon. Gleich beide Wiener Messen für Kunst und Antiquitäten bitten nacheinander zur Vernissage, die vom Verband Österreichischer Antiquitäten- und Kunsthändler organisierte, eher lokal ausgerichtete „Wikam“ lädt Mittwochabend, 1.November, ins Palais Ferstel und ins Palais Niederösterreich. Sozusagen der Auftakt für die am Freitag folgende traditionsreiche 39.Antiquitätenmesse in der Hofburg.
Wo sonst das Bürgertum oder die Kongresse tanzen, haben 47 Kunsthändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Kojen opulent bestückt. Von der Ötztaler Zirbenholztruhe um 1590 (Walter Moskat) über flotte rote Dagobert-Peche-Tischlampen von 1922 aus dem Nachlass des Architekten Urban (Galerie bei der Albertina) bis zu Brilliantschmuck aus den 20er Jahren (Sybille Moldan), Laterndluhren (D&S) und junger Fotografie der Schweizer Künstlerin Leta Peer (Marc de Puechredon) bietet das Spektrum auch heuer wieder für jeden etwas. Wobei „jeder“ immer jünger wird, so Messeleiterin Alexandra Graski-Hoffmann (MAC-Hoffmann).
Der Trend zum Zeitgenössischen
Was mit dem allgemeinen Trend am Markt zu mehr moderner und zeitgenössischer Kunst Hand in Hand geht. Galerist Ernst Hilger ist heuer mit Ringel, Staudacher und Angeli dabei, Thoman bietet gewohnt gediegene österreichische Avantgarde, den 100.Geburtstag Fritz Wotrubas hat sich die Innsbrucker Galerie Maier zu Herzen genommen – und ein weiterer Einpersonen-Schwerpunkt ist bei Judith Walker mit Hans Bischoffshausen zu finden.
Ab der nächsten, ebenfalls von MAC-Hoffmann organisierten Salzburger Antiquitätenmesse zu Ostern soll auch ein neues Sammlergebiet, die Fotografie, erschlossen werden. „Wir können uns der Marktsituation ja nicht verschließen“, so Graski-Hoffmann. Und diese scheint nicht nur international, sondern momentan auch in Österreich recht rosig auszusehen, sie spüre einen „tollen Wind“, von „Flaute“ sei nichts zu bemerken. Derart motiviert wird schon eifrig das Jubiläumsjahr 2008 vorbereitet. In diesem Jahr konnten in der Hofburg schon wieder zwei neue Räume dazu genommen werden. Neu ist unter anderem auch die Vitra-Design-Einrichtung des Kaffeehauses.
Die Konkurrenz, die Österreichs Messe-Platzhirsch MAC-Hoffmann diesen Sommer in Salzburg durch die aus Moskau expandierende luxuriöse Fine Art Fair entstand, wird nobel verschwiegen. Wobei diese, wie der Wiener Kunsthändler Michael Kovacek meint, von der Aufmachung, der Pressearbeit und dem internationalen Teilnehmerfeld in Österreich bisher unübertroffen war. Dafür seien die Verkäufe nicht berauschend gewesen. Da sei für ihn immer noch die Hofburg-Messe am interessantesten.
Die Highlights seines heurigen Messestandes sind zwei Bilder von Viktor Tischler aus den 20er Jahren, ein Hagenbund-Maler, der zur Zeit auch in der Zwischenkriegsausstellung im Leopold Museum vertreten ist, mit Figurenbildern, wie Kovacek sie anbietet, zwei eher melancholischen Damen, allerdings nur sehr selten vorkommt. Das Bildnis einer Frau mit reichgeschmücktem Hut war 1933 im Pariser Salon ausgestellt. „Das schönste frühe Biedermeier“ hat Kovacek mit einer Schreibtischgarnitur aus Granit und poliertem Stahl um 1820 im Programm, dessen zentralen Lichtschirm Kothgasser mit einer Ansicht des Michaelerplatzes bemalt hat. Gesamtpreis: 120.000 Euro.
Das 19. Jahrhundert – eine Zeit „gegen den allgemeinen Gusto“, bedauert Kunsthändler Giese von „Giese und Schweiger“. Im Vergleich zum zur Zeit so starken Interesse für moderne und zeitgenössische Kunst sei das 19. Jahrhundert zu Unrecht in Vergessenheit geraten – und auch „von vielen Händlern, die dem Markttrend nachlaufen, schmählich verlassen worden“. Nicht jedenfalls von seiner Galerie: Aus dem Besitz von Kunsthistoriker Sedlmayer bieten Giese und Schweiger in der Hofburg eine große französische Flusslandschaft von Eugen Jettel an. Und über Johann Baptist Reiters reizendes Gemälde „Zwei Kinder mit Seidenbändern“ (78.000 Euro) gibt es eine Rezension von niemand Geringerem als Adalbert Stifter dazu. Gratis.
ZU DEN MESSEN
Wiener Internationale Kunst & Antiquitätenmesse im Palais Ferstel und Palais Niederösterreich (Wikam), Palais Ferstel und Palais Niederösterreich, 38 Kunsthändler aus Österreich, Frankreich, Deutschland, 1.–11.11. täglich von 11 bis 19 h. Vernissage am Mittwoch, 31.10.
Hofburg-Messe für Kunst und Antiquitäten, von 3. bis 11. November, täglich 11 bis 19 Uhr. 47 Kunsthändler aus Österreich, Schweiz und Deutschland.
Damentag: Montag, 5.11., Zwei Damen bezahlen gemeinsam nur eine Tageskarte.
Eintritt regulär: 13 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2007)