NEW YORK. Linda Stein verschaffte Stars wie Billy Joel, Madonna und Bruce Willis eine schicke Bleibe in Manhattan. Jetzt fand man sie tot in ihrer Wohnung. Die Polizei spricht von Mord.
Madonna sucht ein kleines Appartement nahe des Central Parks, Billy Joel schwärmt vom schmucken Penthouse in der Fifth Avenue und Steven Spielberg will was Helles, Geräumiges in einer Gegend, wo ihn nicht sofort jeder erkennt. Für Linda Stein waren solche Anfragen kein Problem. Denn die 62-Jährige war spezialisiert auf die Wünsche der Stars – zumindest in Sachen Immobilien.
Die Nachricht von ihrem plötzlichen Tod hat die Stadt New York und ihre prominenten Bewohner deshalb tief getroffen. Am späten Dienstag Abend fand Steins Tochter, Mandy, ihre Mutter tot in ihrem Appartement in der Fifth Avenue. Wie das New Yorker Police Departement am Donnerstag bestätigte, wurde Stein durch Schläge auf den Kopf und ins Genick getötet, ein Motiv sei aber noch nicht bekannt. Die Polizei geht davon aus, dass Stein ihren Mörder gekannt hat, weil in der Wohnung keine Einbruchsspuren zu finden waren.
Linda Stein hatte ihre Heimatstadt geliebt und so gut wie den Inhalt ihrer Westentasche gekannt – und daraus schließlich einen Beruf gemacht. Sie wurde 1945 als Tochter eines Lieferanten für koschere Speisen im New Yorker Stadtteil Bronx geboren und hat danach zwar den Bezirk, aber nie mehr die Stadt verlassen. Nach ihrer Hochzeit mit dem Plattenproduzenten Seymour Stein, von dem sie seit langem geschieden war, erlangte sie bereits Anfang der Siebziger Jahre Bekanntheit als Co-Managerin (gemeinsam mit ihrem engen Freund Danny Fields) der Punk-Band The Ramones. Erst Ende der Achtziger fand die Ur-New Yorkerin dann ihre wahre Berufung, das Immobiliengeschäft. Und schon ihre erste Klientin war, so erzählte Stein immer wieder gerne, ein Star: Madonna. „Sie wollte damals nicht mehr als eine Million Dollar ausgeben“, sagte Stein 2005 in einem Interview mit der „New York Sun“. Die Wohnung am Central Park hat Madonna heute noch. Kurz darauf vermittelte Stein Elton John eine Bleibe. Und John wurde daraufhin Taufpate von Steins älterer Tochter Mandy.
Stein soll 20 bis 30 Liegenschaften pro Jahr verkauft haben, im Wert von 2,5 Mio. bis 30 Mio. Dollar. Sie vermittelte Wohnungen an Bruce Willis, Angelina Jolie und Donna Karan. Noch bevor sie zur „Maklerin der Stars“ wurde (so hatte sie der New Yorker Fotograf Patrick McMullen getauft), war sie 1987 Vorbild der Figur der Maklerin in Oliver Stones Film „Wall Street“. Während Linda Stein am Freitag im Kreise ihrer Angehörigen begraben wurde, tappt die New Yorker Polizei bei der Suche nach ihrem Mörder im Dunkeln. Steins Freunde erzählen, es sei ihr zuletzt sehr gut gegangen. Sie habe sich von ihrer zweiten Brustkrebsoperation erholt und sich vor mehr als einem Jahr von einem „geschmacklosen Mann“ getrennt. Dieser Mann sei allerdings nicht mit dem Ende der Beziehung zurecht gekommen und habe sich immer wieder bei Stein gemeldet.
ZUR PERSON
Linda Stein, geboren 1945 in der New Yorker Bronx, Tochter eines Caterers für koschere Waren. Stein begann ihre Karriere als Lehrerin, in den Siebziger Jahren wurde sie Managerin der Punk-Band The Ramones.
In den 80er Jahren wurde sie Immobilienmaklerin in New York. Ihre erste Klientin war Madonna. Stein hinterlässt zwei Töchter, eine Enkelin und ihren Vater (91).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2007)