So brutal Damen-Handball tatsächlich sein kann, in der Südstadt werden stets positive Emotionen wach. Ein Besuch zwischen Kindern, Hunden und Rosen.
WIEN. Helmut Qualtinger hätte seine helle Freude gehabt. Es wurde gestoßen, am Leiberl gerissen, geschlagen, unaufhaltsam gezwickt, geschrien, der Ellbogen ausgefahren und nach einem „Cross-Check“ dreißig Sekunden vor Schluss sogar noch eine rote Karte gezückt. Dabei spielten gar nicht Simmering oder Kapfenberg, auch waren keine Fußballer aktiv, sondern Handball-Damen. Die Spielerinnen von Hypo NÖ nahmen ihre Aufgabe im zweiten Spiel zur laufenden Champions League-Saison ganz besonders ernst, sie ließen gegen Larvik (Nor) keinerlei Zweifel aufkommen, wer die „Chefinnen am Platz“ sind. So ist das 31:27 (18:12) relativ schnell erklärt, ebenso die Tabellenführung nach dem zweiten Spieltag und die Aussicht auf weitere Erfolge. Auch gegen Angstgegner Skopje.
Dass sich Damen-Handball vorwiegend durch scharfe Würfe, flottes Kombinationsspiel und eine doch härtere Gangart charakterisiert, ist allseits bekannt. Zimperlich, das sagt Gunnar Prokop oft und sehr gerne, dürfe derjenige, der im Spitzensport nach Erfolg strebt, nicht sein. Wichtiger vielmehr ist im Gegensatz dazu die Harmonie, die tunlichst in den eigenen, also Hypo-Reihen zu herrschen habe. Darauf lege er Wert, egal aus welchem Erdteil oder welchem Land die jeweilige Spielerin kommt. „Hypo ist eine Verpflichtung, der Klub eine Herausforderung“, stellte Prokop auch nach dem Spiel klar. Und das sei schon seit mittlerweile 35 Jahren so, im Europacup seit nunmehr 30 Jahren. Darauf ist Prokop stolz, auch auf seine „Mädels“, die hätten es dem Gegner nämlich diesmal so richtig gezeigt. Und das, obwohl einige Weltmeisterinnen bei den Norwegerinnen mitgespielt hatten. Aber Nascimento, De Oliveira (beide Brasilien), Kirsner und Toth (Ungarn), Kim, Oh und Han (jeweils Korea) sind „internationale Härte“ offensichtlich gewohnt.
Ein komplett anderes Bild
Der Unterschied zu anderen Vereinen und Sportarten wird bei Hypo-Spielen auch nach der Schlusssirene seit Jahren deutlich. Denn es ist stets ein herzlicher, ehrlicher, ein emotioneller Moment: Da stürmen Kinderhorden auf das Spielfeld, gefolgt von Verehrern und Lebenspartnern, die ihren Herzdamen Rosen überreichen. Oder einem Hund, der schnurstracks zu Gunnar Prokop sprintet und dem zuvor – wie immer – wild gestikulierenden, herumhüpfenden, leidenden und schreienden Manager ein glückliches Lächeln ins Gesicht zaubert.
In solchen Augenblicken spüren auch Gegner „den Mythos, der Hypo umgibt“, behauptet Prokop. Die Norwegerinnen bekamen es übrigens nicht mehr mit, sie waren zu diesem Zeitpunkt längst in der Kabine verschwunden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2007)