Millionen-Deal. Der Kaufpreis von 334 Mio. Euro wird die Bawag-Bilanz 2007 aufpolieren.
Wien (dom). Großkampftag war gestern, Dienstag, im Bawag-Aufsichtsrat angesagt: Es wurde nicht nur der Wechsel an der Spitze der Bank abgesegnet – der Brite David Roberts löst per 1. Jänner2008 Ewald Nowotny ab – sondern auch der Verkauf der Lotterien-Anteile beschlossen. Das 34-Prozent-Paket der Bawag, dessen Wert auf rund 200 Mio. Euro geschätzt wurde, geht für 334 Mio. Euro an die Casinos Austria. Andere Interessenten – etwa Novomatic oder Bwin – schauen durch die Finger.
Offiziell wurde über den Kaufpreis und den bei diesem Deal erzielten Buchgewinn Stillschweigen vereinbart. Ursprünglich wollte die Bawag eine Investmentbank mit dem Verkauf ihres Casino-Pakets beauftragen. Nun wurde doch rasch an die Casinos verkauft, die auf das Bawag-Paket ein Vorkaufsrecht haben. „Die Casinos haben damit eine starke rechtliche Stellung. Eine Ausschreibung würde sich ziehen, der Ausgang wäre ungewiss,“ so Nowotny.
Jobabbau wird beschleunigt
Dass der Deal bis Jahresende abgeschlossen sein und der Buchgewinn noch die heurige Bawag-Bilanz aufpolieren wird, dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. Nach der Übernahme der Bawag-Anteile wird die Casinos Austria rund 70 Prozent an den Lotterien halten. Sechs Prozent gehören dem ORF, der Rest diversen Banken.
Roberts zieht heute, Mittwoch, in den Bawag-Vorstand ein und wird mit Jahreswechsel neuer Chef der Bank. Er kommt von der britischen Bank Barclays und wurde bereits vor einigen Monaten vom neuen Bawag-Eigentümer Cerberus als Special Adviser – böse Zungen sagten „Aufpasser“ – in die Bank geholt. Am neuen Marktauftritt der Bawag war er ebenso wesentlich beteiligt wie an der Entscheidung, Lotterien-Anteil, Immobilien, Ostbanken usw. abzustoßen. Bereits verkauft hat die Bawag ihren Anteil am Fernsehsender ATV, der Verkauf der Klavierfabrik Bösendorfer ist laut Nowotny in der Endrunde.
Roberts bescheinigte der Bawag wörtlich „großes Potenzial“. Er sei sehr stolz, der nächste CEO der Bawag zu sein. Cerberus wolle kräftig – genannt wurde eine Summe von 250 Mio. Euro – ins Kerngeschäft der Bank investieren und zwar im In- und Ausland. Derzeit arbeitet der Bawag-Vorstand an einem neuen Business-Plan. Roberts bestätigte, dass die Bank 400 der insgesamt 4000 Mitarbeiter abbauen wird. Ursprünglich sollte das bis Ende 2011 geschehen, nun könnte es schneller gehen. Das sei nicht zuletzt deshalb geplant, um die Verunsicherung der Mitarbeiter in Grenzen zu halten. Außerdem sei es nötig, die Produktivität der Bank zu verbessern.
Die Bawag ist nach Einschätzung ihres scheidenden Generals jetzt voll durchgestartet. Im Oktober habe es bei den Einlagen ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gegeben. Nowotny wies Berichte zurück, er gehe deshalb vorzeitig, weil er mit dem raschen Abverkaufsprogramm der neuen Bawag-Eigentümer nicht einverstanden gewesen sei. Davon könne keine Rede sein, dafür spreche auch die Tatsache, dass er mit Jahresende in den Bawag-Aufsichtsrat wechselt.
Bawag-Vorstand Stephan Koren wird künftig Vize-Generaldirektor. Weitere Änderungen im Vorstand schloss Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann nicht aus, aktuell würden aber keine anstehen.
Nowotny: Will in die Notenbank
Nowotny bestätigte bei der Pressekonferenz am Dienstag erstmals sein Interesse auf den Chefsessel der Oesterreichischen Nationalbank. Die Amtszeit des amtierenden Gouverneurs Klaus Liebscher ende am 31. August. 2008. „Ich werde mich um den Posten bewerben,“ so Nowotny. Bereits vor einigen Monaten hatte er wörtlich zur „Presse“ gesagt: „Grundsätzlich ist ein Ökonom, den die Notenbank nicht interessiert, sein Geld nicht wert.“
AUF EINEN BLICK
Der neue Bawag-Eigentümer Cerberus lässt Generaldirektor Ewald Nowotny ziehen. Neuer Chef der Bank wird der Brite David Roberts.
Der Lotterien-Anteil der Bank wird für 334 Mio. Euro an die Casinos Austria verkauft. Der Deal geht noch heuer über die Bühne – wichtig für die Bawag-Bilanz.
Ganz offiziell meldet Nowotny jetzt sein Interesse am Chefsessel der Notenbank an. Der amtierende Gouverneur Klaus Liebscher geht im Spätsommer 2008 in Pension.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2007)