Jeanne d'Arc der Kampfhähne
Arena frei!, hieß es am Montag nach der „ZiB2“. Ingrid Thurnher gab am „Runden Tisch“ zum Thema Schul-Kompromiss die Jeanne d'Arc unter den Kampfhähnen, ließ das Visier herunter – und versteckte sich hinterm Schild. Ein ständiges Machtwort wäre nötig gewesen, um die versammelten Parteisoldaten zu Gesprächsdisziplin zu mahnen – stattdessen versuchte Thurnher, ihre Fragen abzuarbeiten, was angesichts der beschränkten Sendezeit und viel zu vieler Gäste ohnehin kaum zu bewältigen war. Am Ende kannte man sich in der Problematik nicht besser aus, wusste nicht mehr als schon nach dem Beitrag in den Nachrichten und der vorausgegangenen öffentlichen Debatte. Auch das Wozu blieb offen.
Wozu verschiebt der ORF den Beginn seines Kulturabends um über eine halbe Stunde in die Nacht (auf nach 23Uhr), wenn nicht wenigstens die zuständigen Minister bereit sind, sich der Diskussion zu stellen? Diese Stellvertreterdebatten, bei denen es nur darum geht, dem politischen Gegner den Schädel zu polieren und verbale Kampagnen in eigener Sache zu lancieren, sind sehr entbehrlich. Noch dazu, wenn man nicht einmal versucht, einander ausreden zu lassen. Von der Warte der politischen Parteien ist das ja noch verständlich. Aber dass sich der ORF bemüßigt fühlt, das auch noch mit kostbarer Sendezeit zu fördern, das verwundert einen doch immer wieder.
isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2007)