Der Tschad-Einsatz und seine Skeptiker

Österreich hat sich mit seinem Auslandsengagement bisher internationales Ansehen erworben. Das soll auch so bleiben.

Der Einsatz von Sanitätern im Tschad sei „das Mindeste“, was Österreichs Bundesheer für die Flüchtlinge aus der sudanesischen Krisenregion Darfur tun könne, hatte die Grüne Außenpolitiksprecherin Ulrike Lunacek noch im August gemeint. Ihr schwebte damals nämlich etwas ganz anderes vor: eine Beteiligung österreichischer Soldaten an der UN-Mission, die im umkämpften Darfur selbst für den Schutz der Zivilbevölkerung sorgen soll. Jetzt schickt Österreich 160 Mann in den – weniger gefährlichen – Tschad. Und ganz plötzlich wird Lunaceks Parteikollege Peter Pilz „äußerst skeptisch“.

Dass es bei den Grünen keine einheitliche Meinung zum Thema Auslandseinsätze für Darfur-Flüchtlinge gibt, ist nicht das Einzige, was überrascht. Laut OGM-Umfrage glauben auch 59 Prozent der Österreicher, dass die EU-Mission im Tschad nicht mit der Neutralität vereinbar sei. Und das, obwohl sie unter der Schirmherrschaft der UNO steht. Offenbar wurde von der Politik hier nicht genug Aufklärungsarbeit geleistet.

Der Einsatz im Tschad ist sicher nicht der einfachste, den das Bundesheer in letzter Zeit zu bewältigen hatte. Doch Irland, ebenfalls neutral und nicht gerade Militärgroßmacht, entsendet sogar bis zu 400 Mann. Österreich hatte sich in der Vergangenheit mit seinem Auslandsengagement internationales Ansehen erworben. Das soll so bleiben. Auch bei einem Einsatz im Tschad. (Bericht: S. 9)


wieland.schneider@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2007)

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