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80 Prozent der heimischen Gletscher verschwinden bis 2050

APA
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Die Zentralanstalt für Meteorologie geht davon aus, dass nur nur sieben Prozent der österreichischen Eisflächen die Jahrhundertwende überstehen werden.

Den österreichischen Alpengletschern geht es an die Substanz: Mitte dieses Jahrhunderts dürften 80 Prozent der Gletscherfläche verschwunden sein, im Jahr 2100 sollen gar nur mehr sieben Prozent der bestehenden Eisfläche existieren. Die Pasterze oder das Sulzbachkees werden die nächste Jahrhundertwende zwar noch überstehen, aber in völlig verkleinerter Form, wie Berechnungen von Mitarbeitern der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) im kürzlich erschienenen Buch "Gletscher im Klimawandel" ergaben.

Das Goldbergkees am Sonnblick in den Hohen Tauern etwa, das in der letzten Eiszeit (vor ca. 20.000 bis 25.000 Jahren) noch das Gebiet der Stadt Salzburg unter einem 600 Meter dicken Eispanzer verschwinden ließ, dürfte bis 2050 auf eine Fläche von unter 0,4 Quadratkilometer geschrumpft und um 2100 längst verschwunden sein. 2003 hatte dieser Gletscher noch eine Fläche von 1,5 Quadratkilometer.

Neben der momentanen Erderwärmung, die seit den 1980er Jahren auch durch die vom Menschen verursachten Treibhausgase beschleunigt wird, ist in den Ostalpen vor allem die relativ geringe Gipfelhöhe für das "Gletschersterben" verantwortlich, das "ewige Eis" in der Schweiz oder in Frankreich dürfte weniger stark betroffen sein.

Nährgebiete verschwinden

Denn der Lebensnerv eines Gletschers ist das Nährgebiet, also jener hoch gelegene Bereich, wo sich durch Schneefall und niedrige Temperaturen neues Eis bilden kann, welches das unten abfließende ersetzt. Beim derzeit wahrscheinlichsten Modell der Klimaberechnung, das im Alpenraum bis 2100 einen Temperaturanstieg von drei Grad voraussagt, würden dabei diese sogenannten Akkumulationsflächen der Pasterze am Großglockner um drei Viertel verschwinden. Das Nährgebiet dürfte sich auf über 3.200 Meter Seehöhe zurückziehen.

Selbst in der jüngsten Geschichte der Alpen ist aber das derzeitige "Gletschersterben" kein ungewöhnliches Ereignis: Etwa die halbe Zeit der letzten 10.000 Jahre war die Fläche der Alpengletscher kleiner als derzeit, erst in den letzten 3.000 bis 4.000 Jahren waren sie größer. So sind in jüngster Zeit aus der Pasterze am Großglockner tausende Jahre alte Baumreste ausgeapert. Die Zunge des größten Gletschers Österreichs war also vor etwa 9.000 Jahren nicht "ewiges Eis", sondern Wald. Völlig eisfrei dürften die österreichischen Alpen seit der letzten Eiszeit aber nicht mehr gewesen sein, weil es dazu im Schnitt um sechs Grad wärmer hätte sein müssen als derzeit, so die Meteorologen.

Prognosen aufgrund von Modellen

Erstellt wurden die Prognosen mit einer Reihe von Modellen, die unterschiedliche Entwicklungen der Weltwirtschaft, -politik und -bevölkerung berücksichtigen. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt das Modell A1B: In diesem Szenario wächst die Erdbevölkerung bis 2050 auf etwa neun Milliarden, dann fällt sie bis 2100 auf sieben Milliarden ab.

Die Weltwirtschaft wird zunehmend globaler, die Entwicklungsländer holen bei den Einkommen, den Sozialsystemen und in der technologischen Entwicklung zu den Industriestaaten auf. Maschinen, Geräte und die Energieerzeugung werden deutlich effizienter. Der Gesamtenergiebedarf der Welt steigt jedoch stark an, er wird aber bis 2100 zu großen Teilen durch nicht-fossile Energiequellen gedeckt. (APA)