Ein Loblied auf die Goldene Joich
Die erste Essensvorschrift, meinte Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg verschmitzt, gebe es bereits am Anfang der Genesis. Von allen Früchten dürften Adam und Eva essen, nur von einem Baume eben nicht. Eisenberg war einer der Interviewten in der jüdischen Kochshow, einem köstlichen Beitrag von Helene Maimann für „kreuz und quer“. Deren Vorschrift für koscheres Essen lautete offenbar: Raffinierter geht es nicht, unterschiedlicher auch nicht.
Aufgekocht wurde von zwei Familien, nach ostjüdischer und nach mediterraner Tradition. Beiden gemeinsam war das Lustbetonte – von der Auswahl der Zutaten am Markt bis zum heiligen Ernst, mit dem stundenlang in der Küche gearbeitet wurde.
Gefillte Fisch und Tscholent, ein Eintopf aus Fleisch und Bohnen, gehörten zum deftigen Menü, das von Judith Müller und ihrer Mutter Helene Doft zubereitet wurde, ergänzt durch Kartoffel-Kigl und die heilkräftige Goldene Joich, eine Hühnersuppe. Das levantinische Menü schuf Chaya Molcho. Baba Ganusch, Chummus, Schakschuka und Fatusch hießen die Zauberworte; Vegetarisches mit Melanzani, Kichererbsen, Salat und viel Knoblauch. Hinreißend, wie diese sinnliche Köchin ihre Kunst zelebrierte! Dazu gab es als Amuse-Gueule reichlich Anekdoten und jüdische Witze, die deutlich machten: Koscher bedeutet auf keinen Fall Entbehrung. (Rezepte: http://religion.orf.at)
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2007)