Österreichs Lehrlinge und Lehrabsolventen sind Sportmuffel, ergab eine Studie.
Wien. Österreichs 12- bis 24-Jährige sind sportlicher als ihr Ruf, ermittelte eine Fessel-GfK-Studie: Gut drei Viertel aller Jugendlichen, erklärte Studienautor Rudolf Brettschneider, sind mindestens einmal pro Wocheaktiv. Allerdings hat ein Fünftelgarnichts für Sport über.
Signifikant aber seien die Unterschiede innerhalb der befragten Gruppe: Denn Lehrlinge und Lehrabsolventen haben einen blinden Fleck, was Sport betrifft. Jeder Vierte betreibt weniger als zweimal im Monat Sport, im Vergleich dazu ist nur jeder zweite AHS-Absolvent inaktiv. 40 Prozent der Befragten Lehrlinge bzw. Lehrabsolventen gaben an, aus privaten Gründen keine Zeit zu haben, gar 70 Prozent nannten berufliche Gründe. Ein Viertel findet Sport ganz einfach „zu langweilig“. Das hänge, meint Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka, der mit dem Bundeskanzleramt die Studie in Auftrag gegeben hat, stark mit dem Lehrplan für Berufsschulen zusammen. Diese würden keine verpflichtende Sporteinheit vorsehen. Ein Umstand, den Lopatka ändern möchte.
Früher Kontakt mit Sport nötig
„Nur 46 Prozent der Jugendlichen betätigen sich individuell sportlich“, fand Brettschneider heraus, „also ohne Schule oder Verein.“ Ein Versagen der Klubs will er darin aber nicht sehen: So wie alle Lebensbereiche habe sich auch der Sport fragmentiert, manche Sportarten würden sich ganz einfach auch ohne Verein ausüben lassen, Rollerskaten etwa.
Weil die Aktivität und die Begeisterung der Jugendlichen bei den 12- bis 16-Jährigen deutlich größer sei als bei den 20- bis 24-Jährigen, rät Brettschneider, Kinder und Jugendliche möglichst in jungen Jahren zum Sport zu führen: „Nur dann wird die gelernte Aktivität weitergezogen.“ Wie den Vereinen will er auch den Schulen einen Vorwurf ersparen: „Sportlehrer sind heute didaktisch wesentlich besser ausgebildet als Lehrer für Fremdsprachen oder Mathematik.“ Das Hauptproblem sieht er in der geringen Frequenz der Turnstunden – in der kurzen Zeit sei es kaum möglich, Schüler nachhaltig für Sport zu begeistern.
Vereine in die Schulen holen
Dabei würden sich 57 Prozent der 12- bis 24-Jährigen mehr Sportunterricht wünschen, erbrachte die Studie. Ein Drittel hingegen findet das aktuelle Ausmaß für ausreichend. Lopatka will daher Ganztagesschulen als Vehikel verwenden, Vereine in die Schulen zu holen: Für Schulkooperationen werden 2008 3,6 Millionen Euro ausgeschüttet. Noch aber gibt es keine Richtlinien, wie diese Projekte, die zumeist auf Einzelinitiativen beruhen, aus diesem Topf gefördert werden.
Abgefragt wurden auch die Motive, Sport auszuüben: Rund 80 Prozent gaben an, zu sporteln, um „fit und gesund“ zu sein, drei Viertel, um sich „besser zu fühlen“, beinahe 70 Prozent tun es als Ausgleich oder weil sie einen „schönen Körper haben möchten“. Sport als Wettbewerb ist nur für ein Drittel der Jugendlichen ein Thema und da vor allem für die jüngeren Burschen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2007)