Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Immobilien-Hausse im Osten geht schon bald zu Ende

(c) AP (Bela Szandelszky)
  • Drucken

EBRD. Osteuropäische Haushalte sind bereits schwerer verschuldet als westeuropäische.

London / WIEN. „Das Wachstum der Immobilienpreise in Osteuropa ist wahrscheinlich nicht nachhaltig.“ Was sich im aktuellen „Transition Report 2007“ der EBRD (Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) so harmlos formuliert ausnimmt, bedeutet nichts anderes als eine Trendwende: Die Ökonomen rechnen mit einem baldigen Ende des gigantischen Immobilien-Booms der letzten Jahre. In vielen osteuropäischen Ländern sind die Wohnungs- und Grundstückspreise zuletzt um jährlich 20 Prozent gestiegen.


Spekulation treibt Preise

Der Immobilien-Boom erklärt sich daraus, dass der Bedarf an modernen Wohnung rasant gestiegen ist, gleichzeitig auch das Haushaltseinkommen. Parallel dazu sind die Zinsen auf historische Tiefstände gesunken, international war ausreichend Kapital zu haben. Banken haben in Folge den Zugang zu Privatkrediten stark erleichtert. Mit der Zeit hat sich allerdings auch ein spekulatives Element dazugesellt: In manchen Staaten werden Wohnungen, so berichtet die EBRD, fast nur deswegen gekauft, weil die Menschen hoffen, sie später zu höheren Preisen wieder verkaufen zu können.

Diese Entwicklung könnte nun zu Ende sein. „Das Wachstumstempo scheint nicht nachhaltig, eine weitere Preissteigerung würde bald zu einer Überbewertung führen“, schreiben die Experten.

Hauptgrund für die erwartete Abkühlung ist, dass die Verschuldung der Haushalte bereits vergleichsweise hoch ist – und zwar gemessen am Reichtum der Menschen: In Staaten wie Kroatien, Ungarn oder Bulgarien liegt die Verschuldung bei 40 Prozent des Reichtums – in der Eurozone liegt der Wert bei etwas über 25 Prozent (siehe Grafik). Zwar sei die Verschuldung im Verhältnis zum BIP noch weit unter dem westeuropäischen Niveau – doch die Abhängigkeit der Haushalte von den Banken sei ein „Grund zur Sorge“, so die EBRD.

Zudem verhindert nun die verschärften Bedingen auf den internationalen Finanzmärkten in Folge der US-Immobilienkrise ein weiteres rasantes Steigen der Kreditvergabe – die Banken haben in vielen osteuropäischen Ländern bereits Probleme mit der Finanzierung.

Welche wirtschaftlichen Folgen das Ende der Immobilien-Hausse haben wird, ist unklar. Die EBRD verweist darauf, dass es de facto keine Erfahrungswerte für Transformationsländer gebe. Sicher ist, dass eine Verbilligung von Wohnungen zu einer Abkühlung der Bau-Konjunktur führt und damit eine Stütze der Konjunktur bedroht. Die Ökonomen meinen zudem, dass der Privatkonsum – eine weitere Konjunkturstütze – vom Sinken der Immobilienpreise betroffen sein könnte. Die Menschen hätten keine Reserven, um das ausgleichen zu können. Das gelte vor allem für Junge – die ja besonders konsumfreudig sind.

Die restriktivere Kreditvergabe hat in den Augen der EBRD-Experten allerdings auch etwas Gutes: Sie könnten mithelfen, dass die überhitzten Volkswirtschaften, vor allem Lettland und Rumänien, in eine Abkühlungsphase eintreten.


Geringeres Wachstum

Das spiegelt sich auch in den Konjunktur-Prognosen wider: Für die EU-Staaten im Osten wird das Wachstum von sechs Prozent heuer auf 5,2 Prozent im nächsten Jahr sinken. Staaten mit hoher Auslandsverschuldung könnten einen noch stärkeren Wirtschaftsabschwung erleben. Russland wird nur mehr um 6,5 Prozent wachsen – heuer sind es 7,2 Prozent. Südosteuropa hingegen bleibt auf Kurs: Das Wachstum werde im Jahr 2008 unverändert bei 6,1 Prozent liegen.

Unzufrieden ist die EBRD mit dem Reform-Fortschritt in vielen osteuropäischen Ländern: Vor allem bei weitergehenden Reformen – etwa im Wettbewerbsrecht, der Verwaltungsreform oder bei der Infrastruktur – gebe es Nachholbedarf. Zumindest in den neuen EU-Staaten im Osten sind die grundlegenden Reformen wie Marktliberalisierung oder Privatisierung hingegen weitgehend abgeschlossen. Große Reform-Fortschritte gebe es in Südosteuropa. Den größten Sprung nach vorne unter den 29 Staaten, die die EBRD betreut, habe die Mongolei gemacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2007)